Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271033
48 
Buch. 
Kapitel. 
Lionardo 
Vinci. 
ihm seine Brust öffnete, in welcher man lauter Lilien erblickte. Ebenso 
hatte er ein Fest in- der Familie San Severino durch eine Darstellung 
zum Preise der Geduld und der Arbeit verherrlicht. Auch bei der 
Hochzeit des Moro mit Beatrice d'Este trug er zum Glanz der Feier 
bei, ordnete die Dekoration des Schlosses an und machte den Entwurf 
zu einem Badehause für die Herzogin. Noch wichtiger wurde sein 
Rath bei den zahlreichen Anlagen von Kanälen und W asserwerken. 
Wir besitzen noch eine Denkschrift des Künstlers an Lodovico 
Sforza, in welcher er, wahrscheinlich auf vorhergegangene mündliche 
Verhandlungen Bezug nehmend, dem Herzog seine Dienste anbietet. 
Unter den dort erwähnten Punkten stehen seine Erfahrungen in den 
Kriegswissenschaften in erster Linie. Er erbietet sich, leichte trans- 
portable Brücken anzufertigen, die gegen Feuer gesichert seien, sowie 
er Mittel verspricht, die Brücken der Feinde in Brand zu stecken 
und zu zerstören; weiterhin bei Belagerungen das Wasser der Gräben 
abzuleiten, Sturmleitern und ähnliche Maschinen herzustellen, besondere 
Mittel zur Zerstörung feindlicher Befestigungen anzugeben, eine Art 
tragbarer explodirender Bomben anzufertigen, unterirdische Gange und 
Minen anzulegen, Streitwagen und verschiedenes Feldgeschütz, Schleu- 
dern, Ballisten, Steinwurfmaschinen und andre ähnliche Instrumente zu 
fertigen, auch für den Seekrieg wichtige Hülfsmittel zum Angriff wie 
zur Vertheidigung anzugeben. Erst am Schlüsse gedenkt er in folgen- 
den Satzen seiner künstlerischen Fähigkeit: „ln Friedenszeiten glaube 
ich in Vergleich mit jedem Andern sehr gut in der Baukunst Genüge 
zu leisten sowohl in der Errichtung von öffentlichen und Privatgebauden 
als auch in der Leitung des Wassers von einem Orte zum andern. 
Item Werde ich in der Marmor, Bronze- und Thonsculptur arbeiten 
und ebenso in der Malerei Alles leisten, was irgend in Vergleich mit 
jedem Andern geleistet werden kann. Ausserdem werde ich auf das 
Bronzepferd meine Arbeit verwenden können, welches ein unsterblicher 
Ruhm und ewiges Ehrendenkmal des gesegneten Angedenkens eures 
Herrn Vaters und des berühmten Hauses Sforza sein wird."  
Man sieht, worauf es einem damaligen Gewaltherrscher am meisten 
ankommen musste, und wie der Ruhm der mechanischen Studien Lio- 
nard0's hauptsächlich für Kriegszwecke den Herzog zugleich auf diesen 
aufmerksam gemacht haben mochte. Das erwähnte Bronzepferd war 
das kolossale Reiterbild des Francesco Sforza, an welchem er sechzehn 
Jahre gearbeitet haben soll, da er es zweimal ausgeführt hat. Das 
erste Modell scheint 1490 fertig gewesen zu sein; das zweite, in einer
        

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