Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271024
Hofe 
Zustände 
Mailand. 
Mittel, so verbrecherisch es sein mochte, anwendend, wenn es für 
Erhaltung' und Vermehrung seiner Macht sich zu empfehlen schien. 
Liess er doch einmal einen angesehenen Bürger Cremonas, der gegen 
die Steuerlast murrte, im Stillen erdrosseln, um das böse Beispiel nicht 
aufkommen zu lassen. Sein Hof ward als der glänzendste der dama- 
ligen Zeit gepriesen, aber er war auch einer der zügellosesten und 
unsittlichsten. Bezeichnend genug schickte der Herzog dem durch ihn 
in's Land gerufenen Karl VIII. von Frankreich fünfzig der erlesensten 
und mindest spröden Schönheiten entgegen, um den entzündlichen 
König zu bestricken. Der Moro selbst hatte neben seiner Gemahlin 
Beatrice d'Este nicht bloss eine Maitresse. Bei alledem war er aber 
ein Fürst, der zugleich in dem universellen Sinn jener Zeit Wissen- 
schaften und Künste pllegte und die ausgezeichnetsten Männer an 
seinem Hof versammelte, um durch ihre Werke seinem Namen die 
Unsterblichkeit zu sichern. In Pavia bot er Alles auf zur Belebung 
und Neubegründung der Universität, in Mailand stiftete er unter der 
Leitung Lionardds eine Akademie; für seine künstlerischen Unter- 
nehmungen wusste er neben diesem grosseil Meister in Bramante einen 
der berühmtesten Architekten zu gewinnen. Dass der Herzog von 
hervorragender geistiger Bedeutung war, geht aus dem lebendigen 
Antheil hervor, den er an allen höheren Bestrebungen nahm, nicht 
minder aus dem lebendigen Verkehr, in Welchem er mit Gelehrten und 
Künstlern stand. 
An einem solchen Hofe kamen Lionardds mannichfache Eigen- 
schaften zur glanzenclsten Entfaltung. Wenn er in diesen Kreisen sich 
als geistvoller Improvisator oder als Sänger zu der silbernen Laute 
hören liess, die er sich selbst gebaut hatte, riss er Alles zum Entzücken 
hin. In der Blüthe des Lebens, eine Erscheinung von bezaubernder 
Anmuth, von vollendeten Umgangsformen und hinreissender Beredsam- 
keit, in allen ritterlichen Uebungen, namentlich im Fechten und Reiten 
ein Meister, hatte er durchaus das Gepräge eines vollendeten Kavaliers. 
Er wurde die Seele für alle künstlerischen Unternehmungen, wie auch 
das Hofleben durch ihn das für jene Zeit unerlässliche künstlerische 
Gepräge erhielt. Bei der Hochzeit des unglücklichen Gian Galeazzo 
mit Isabella von Aragonienv stellte er das Paradies und die sieben 
Planeten dar, welche der Reihe nach dem Brautpaare sich nahten, wo 
dann aus jedem die Gottheit des Planeten hervortrat und Verse zum 
Lobe der Braut absang. Als später Franz I. nach Mailand kam, 
verfertigte er einen Löwen, der dem Könige entgegenging und vor
        

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