Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276666
576 
Buch. 
XIII. 
Kapitel. 
Maler 
venezi anisch en 
Festlandes. 
knieenden Stiftern verehrt, daneben Katharina und Franziskus stehend. 
Dann folgen, durch gemalte korinthische Säulen getrennt, je fünf Mönche 
des Ordens, darunter zwei Bischöfe, die mit innigem Ausdruck der 
Verehrung nahen. An den Seitenwänden sieht man in ähnlicher Ver- 
theilung je sechs paarweis angeordnete, an der Eingangswand je zwei 
Gruppen von Ordensgeistlichen, auf gemalten Consolen in Flachnischen 
auf blauem Grund, während hinter der Hauptnische eine schöne Alpen- 
landschaft sich ausbreitet. Ueber dem Ganzen zieht sich auf gold- 
gelbem Grund ein weisser Akanthusfries hin, trefflich gemalt mit vielen 
die Ranken reizvoll belebenden Vögeln, über jeder Gruppe durch- 
brochen durch ein Medaillen mit dem Bildniss eines Klosterbruders. 
Dies Alles ist etwas hart gezeichnet und herb gemalt, aber mit grosser 
Wahrheit und Innigkeit dargestellt. Ueber der Eingangsthür sind die 
Brustbilder von drei Päpsten, Alexander V., Nikolaus IV. und Sixtus IV. 
angebracht. Das Ganze ist ein dekoratives Werk von höchst eigen- 
thümlicher Art. 
Die Fresken in der Antoniuskapelle von S. Bernardino, welche 
Scenen aus der Legende des h. Antonius von Padua, am Gewölbe die 
vier Evangelisten, an den Pfeilern einzelne Heilige enthalten, sind stark 
beschädigt, veri-athen aber die scharfen Faltenbrüche und den plastischen 
Stil der Paduaner, bei anziehender Lebendigkeit der Erzählung. Be- 
sonders naiv ist die Darstellung, wie der fromme Maulesel vor dem 
Gottesmann verehrungsvoll niederkniet. 
Eine weitere Entwickelung vertritt der Sohn des Vorigen, Idmncesco 
illorone, der 1473 geboren wurde und bis 1529 vorkommt. Wie Sein 
Vater ging er von den Einliüssen Mantegnzfs aus, und Wir dürfen 
annehmen, dass er in der väterlichen Werkstatt sich rasch zu einem 
tüchtigen Gehülfen ausbildete. Das früheste Werk, auf welchem er 
selbständig erscheint, ist das mit seinem Namen und der Jahrzahl 1493 
bezeichnete Altarbild des Gekreuzigten in S. Bernardino. Trotz 
späterer Uebermalung ist es eine Arbeit, die zu den edelsten Dar- 
stellungen dieser Art gehört, von tiefleuchtender Farbenpracht, Christus 
voll Adel, die zu den Füssen des Kreuzes stehende Madonna und 
Johannes, poetische Gestalten von ergreifendem Ausdruck des Schmerzes, 
der edel gezeichnete Körper Christi aus den kraftvollen Tönen der 
blauen und rothen Gewänder der unten stehenden Figuren wirksam 
hervorleuchtend. Die Flügel mit den Gestalten des Franziskus und 
Bartholomäus sieht man in der Galerie unter Nr. 87 und 89. Ist hier 
in Ausdruck und Farbe der Einfluss Francia's zu erkennen, so zeigen
        

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