Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276634
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Maria Falconetto. 
Giovanni 
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und Andern eine Prachtdekoration, in welcher sich die Begeisterung 
für die klassische Architektur mit verschwenderischer Ueppigkeit gel- 
tend macht. Es ist ein Gesammtdenkmal dieser Richtung, wie selbst 
Italien kein zweites bietet. Das früheste scheint an der ersten Kapelle 
des rechten Seitenschiffs, denn hier ist die Composition noch massig 
und schüchtern, und die Motive der Porta Borsari, namentlich die ge- 
wundenen Säulen sind unverkennbar. Die Figuren, welche den Bau 
beleben, verrathen noch eine gewisse Aengstlichkeit und Unfreiheit bei 
kurzen Verhältnissen. Das Ganze ist übrigens in Verbindung gesetzt 
mit bemalten plastischen Figuren und mit dem Aufbau der in tiefen 
Nischen angebrachten Altäre. Die zweite Abtheilung ist durch jene 
Inschrift als Werk Falconettds bezeichnet, und bildet eine der pracht- 
vollsten und reichsten Compositionen nach Art eines römischen Triumph- 
bogens. Der das Ganze abschliessende Bogengiebel enthält eine Pieta 
und Engel mit den Leidenswerkzeugen; dann folgen in offenen, ge- 
schickt perspektivisch gemalten Nischen St. Michael als Seelenwäger 
und St. Georg als Drachentödter, daneben und darüber in drei Ab- 
theilungen einzelne Heilige in bemalten Flachnischen. S0 meisterlich 
Architektur und Perspektive gehandhabt sind, so Wenig genügen die 
schwerfalligen und untersetzten Figuren. Nicht minder reich ist das 
dritte Feld derselben Seite, das wieder eine andere Composition des 
Triumphbogens mit vorspringenden Flügeln aufweist. Das Ganze wird 
durch einen breiten Giebel geschlossen, in welchem Engel ein Medaillen- 
bild Christi halten. Hier ist auch die Architektur bunt gemalt und 
völlig mit klassischen Fabelwesen aller Art, mit Tritonen, Nereiden, 
Seepferden u. dergl. geschmückt. Aber auch hier sind die Figuren 
von derselben Schwerfalligkeit. 
Auf der linken Seite beginnt die Reihenfolge mit einer ähnlichen 
triumphbogenartigen Composition, die in offenen Bogenstellungen zu 
beiden Seiten übereinander zwei Heilige enthält, von denen der untere 
links durch ein späteres Grabmal verdeckt ist. Auf dem untern Ge- 
balk sind musizirende Engel, auf dem oberen andere mit Marterinstru- 
menten farbig dargestellt. Die Formen sind scharf und bestimmt im 
Stil Mantegnäs, die sehr tüchtigen Gestalten überaus lebendig. In 
der zweiten Abtheilung hat die architektonische Composition durch zu 
eng gestellte Glieder einen minder freien, vielmehr etwas monotonen 
Charakter. Das Gesims der grau in grau gemalten Architektur ist 
von steinfarbenen Statuen bekrönt, in den Nischen dagegen sieht man 
wieder farbig gemalte Heilige, dabei spielende Kinder, ähnlich anziehend
        

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