Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276580
568 
Buch. 
Kapitel. 
Venezianer 
der Ehebrecherin vor Christus, ein grosses Gastmahl zu Emmaus von 
einfachem Adel der Auffassung und herrlicher Färbung; die volks- 
thümliche Figur des Wirths ist ein acht venezianischer Zusatz, den 
der Künstler sogar auf einem seiner schönsten Bilder, der Findung 
Moses in derselben Galerie, wiederholt hat. Es ist abermals eine 
prächtige Zusammenstellung lebensvoller Gestalten von freiem Adel in 
köstlicher Landschaft. Alle diese grossen Werke bezeugen die hohe 
Lebensfülle der venezianischen Kunst. Ein treffliches Bild ist auch 
eine kleinere Anbetung der Könige in der Galerie zu Modena, die 
nur stark gelitten hat, im Katalog unter dem Namen Bembo verzeichnet. 
Im Palast Borghese zu Rom sieht man ausser einer minder bedeutenden 
Ehebrecherin vor Christo eine vortreffliche Heimkehr des verlorenen 
Sohnes und die Söhne Zebedäi mit ihrer Mutter vor Christus, beides 
vortreffliche frühe Bilder mit einer strengen schönen Landschaft, In 
der Galerie P itti Endet sich unter dem Namen Paris Bordone eine 
treffliche Ruhe auf der Flucht nach Egypten und die Sibylle beim 
Kaiser Augustus. 
Ein bedeutendes, wirksam componirtes Bild in klarem goldigem 
Kolorit ist die Auferwecknng des Lazarus im Louvre, während eben- 
dort eine h. Familie mit Magdalena, Franciscus und Antonius in schöner 
Landschaft eine der trefflichsten Idyllen im Charakter Palma Vecchi0's 
ist, nur viel glühender im Kolorit. Eine andere ebendort als Bonifazio 
bezeichnete h. Familie ist zu kühl und rosig im Ton für ihn. In der 
Galerie zu Berlin sieht man eine etwas oberflächliche Darstellung 
der Ehebrecherin vor Christus mit der Jahreszahl 1559, gleich ver- 
schiedenen Werken dieser Art also dem zweiten Bonifazio zuzuschreiben; 
das Belvedere zu Wien besitzt drei schöne Tafeln mit je zwei Hei- 
ligen, breit und glühend gemalt, ausserdem eine Verkündigung in zwei 
grossen Bildern, die Ermitage zu Petersburg eine anziehende Geburt 
Christi. 
Unter der jüngeren Generation tritt vor Allen Paris Bordone als 
ein überaus gewandter Künstler hervor. Zu Treviso im Jahr 1500 
geboren, kam er wahrscheinlich früh nach Venedig in die Schule 
Tiziaifs, fühlte sich aber durch innere Verwandtschaft besonders zu 
Palma Vecchio hingezogen, dem er namentlich in der reizvollen Auf- 
fassung und schmelzend weichen Darstellung der Frauenwelt nahe 
kommt. Seine Gestalten sind von einem ähnlichen aristokratischen 
Duft umflossen, voll feiner Anmuth, zarter in den Formen als die 
üppigeren Gebilde Palma's und die grossartigeren Tizian's, im Kolorit
        

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