Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276501
560 
Buch. 
XII. 
Kapitel. 
Die Venezianer. 
von Spanien bestimmt waren (1562). Vielleicht das letzte Bild dieses 
Kreises ist die Erziehung des Amor in der Galerie Borghese zu Rom, 
wieder ein Werk von nicht geringen poetischen und malerischen Schön- 
heiten, immer noch herrlich gemalt, Wiewohl etwas kühler im Ton als 
gewöhnlich. 
Auch an allegorischen Bildern fehlt es nicht, und das Hauptwerk 
dieser Art ist vielleicht das grosse, für Antonio Grimani gemalte 
Votivbild im Dogenpalast, welches den Dogen vor der in Wolken 
erscheinenden, von Engeln umgebenen Gestalt des Glaubens darstellt. 
Aber so prächtig auch dieses Bild gemalt ist, so kann die Hauptfigur 
der "Fedeu in ihrer schwerfalligen Form und ungeschickten Stellung 
nicht als eine glückliche Inspiration bezeichnet werden. 
Wichtiger ist es für uns, noch einen Blick auf Tizian als Bild- 
nissmaler zu Werfen, obwohl hier nur einige der hervorragendsten 
Schöpfungen zur Besprechung kommen können. Was sämmtliche Bild- 
nisse Tizians, so unzählige erderen gemacht hat, auszeichnet, das ist 
die wunderbare Kraft und Lebensfrische, welche sie athmen, die über- 
zeugende Wahrheit des Daseins, mit welcher sie erfüllt sind. Mit ihm 
erst erreicht das Porträt den vollkommen ebenbürtigen Rang, der es 
neben die anderen Kunstgattungen gleichberechtigt hinstellt. Wer von 
seinen Zeitgenossen in demselben Gebiete Grosses geleistet hat, ver- 
dankt seinen Werken die freie, geniale Auffassung, und selbst die 
schönsten Bildnisse BafaePs tragen diese Einwirkung unverkennbar an 
der Stirne.  
Die Bildnissmalerei ist so gut eine Tochter der neuen Zeit, wie 
die Landschaftsdarstellung. Erst mit dem 15. Jahrhundert dringt der 
Sinn für treue Auffassung des Besonderen siegreich durch, und in den 
grossen Fresken der Florentiner seit Masaccio sahen wir eine Fülle 
bedeutender Zeitgenossen als Zuschauer der heiligen Handlungen auf- 
treten. Wenn damals auch das Einzelporträt gelegentlich vorkam, so 
bildete das noch die Ausnahme. Auch erkennt man in einer gewissen 
Schärfe und selbst in mancherlei Ünbehülflichem noch die Unsicher- 
heit der Anfänge. In höherer Freiheit fasste zuerst Lionardo das 
Individuum auf, und bald folgten die Venezianer, indem sie die Energie 
in der Beobachtung der Natur dieser Gattung zu Gute kommen liessen. 
Aristokratieen sind vorzugsweise geeignet, die Bildnissmalerei zu pHegen, 
weil in ihnen die Bedeutung der Persönlichkeit am meisten anerkannt 
wird; so ist es nicht zufällig, dass in Venedig diese Gattung der 
Malerei zur glänzendsten Blüthe gelangte.
        

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