Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276430
T izian. 
V O11 
Schlacht 
Cadore. 
553 
dieser Zuthaten ist das Werk immer noch einer der herrlichsten Schätze 
jener reichen Sammlung. Tizian hat die Form des Ceremonienbiltles, 
wie Carpaccio und Gentile Bellini sie gegeben hatten, noch einmal mit 
naiver Lust aufgenommen und mit der ganzen Majestät der frei- 
gewordenen Kunst zu höchster Lebensfüllc entfaltet. Sein Werk bildet 
daher den Uebergang zu den grossen Prunkdarstellungen Paolo 
Veronesds. Dabei erfüllt er Alles mit dem Ausdruck freudiger Theil- 
nahme, von der herzigen Gestalt der kleinen Maria in ihrem blauen 
Kinderkleidehen bis zu dem feierlichen, voll Staunen die Hände er- 
hebenden Hohenpriester. Von gleicher Lebensfülle, voll Würde und 
Anmuth endlich sind die mannichfachen Gestalten der Zuschauer, die 
etwas von dem grossen Stil haben, Welchen die Florentiner in solchen 
Darstellungen erreichen. Menschenleben, Architektur und landschaft- 
liche Ferne sind in diesem breit und frei mit Wunderbarer Farben- 
pracht und herrlicher Gliederung durch fein abgestufte Licht- und 
Schattenmassen gemalten Bilde zu solcher Harmonie zusammengestimmt, 
dass man über die Meisterschaft staunen muss, welche diese Leinwand 
von fast 12 Fuss Höhe und 25 Fuss Breite zu beherrschen wusste. 
Während Tizian diese gewaltigen Werke schuf, traf ihn im 
Jahre 1537 der harte, aber nicht unverdiente Schlag, dass ein Dekret 
der Regierung ihm befahl, die seit 1516 erhaltene Jahresbesoldung der 
Sanseria zurückzuzahlen, weil er die an diese Pfründe geknüpfte Be- 
dingung zu erfüllen versäumt habe. In der That hatte Tizian im 
Drange massenhafter Aufträge seine Verpflichtung, im Ratlissaale ein 
grosses Schlachtbild auszuführen, sträflich verabsäumt, und da gerade 
Pordenone in Venedig auftrat und als flotter F reskomaler schnell sich 
allgemeine Anerkennung errang, so drohte man, diesen an seine Stelle 
zu setzen. Nun zögerte Tizian nicht" länger, und in kurzer Zeit hatte 
er das riesige Bild der Schlacht von Cadore vollendet, welches 
später durch den Brand von 1577 mit so vielen andern Kunstwerken 
zu Grunde ging und nur noch durch die Skizze in den Üffizien und 
den Stich Fontana's erhalten ist. Die Schlacht hatte 15GB zwischen 
den Kaiserlichen und den Venezianern stattgefunden. Die ersteren 
hatten Oadore und sein Castell eingenommen und suchten von dort 
aus vorzudringen. Die Venezianer aber wussten sie zu umgehen, die 
oberen Engpässe des Gebirges zu schliessen, und durch einen combi- 
nirten Front- und Flankenangriff den Feind zu schlagen. Aehnlich wie 
Rafael in der Constantinsschlacht und wie früher schon Lionardo in 
seinem Carton, verlegt Tizian das entscheidende Treffen an das Ufer
        

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