Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276392
Tizian. 
Martyr. 
Petrus 
549 
h. Sebastian und im Hintergrunde S. Rochus; darüber in zwei oberen 
Tafeln die Verkündigung mit einer besonders schönen Madonna. Da- 
gegen ist der emporschwebende Christus etwas zu unruhig und auch 
die empfindungsvolle Gestalt Sebastians ist so stark verkürzt und be- 
wegt, dass man fast an Üorreggio erinnert wird. Das Werk hat übrigens 
gelitten; trotzdem erkennt man die Hand des Meisters, namentlich an 
der prachtvollen Stifteriigur, deren energische Auffassung an Giorgione 
gemahnt. 
Ein anderes Altarwerk vom Jahre 1523, ehemals in S. Niccolo 
de' Frari zu Venedig, jetzt in der Galerie des Vatikan, stellt die auf 
Wolken thronende, von Engeln umschwebte Madonna dar, die von 
sechs Heiligen, Sebastian, Franziskus und Antonius, Petrus, Ambrosius 
und Katharina verehrt Wird. Der feierliche Zusammenklang grossartiger 
Gestalten, der imposante Aufbau des Ganzen und die herrliche Kraft, 
Weichheit und Tonfülle des Kolorits verleihen diesem wieder mit des 
Meisters Namen bezeichneten Bilde einen hohen Bang; besonders aber 
ist die Gestalt Sebastians wegen ihrer ausdrucksvollen Natürlichkeit 
stets hoch gepriesen worden. 
Wenige Jahre später (1530) schrieb die Bruderschaft des Petrus 
Martyr eine Konkurrenz zur Beschaffung eines neuen Altarbildes für 
ihre Kapelle in S. Giovanni e Paolo aus. Palma (kurz vor seinem 
Tode), Pordenone und Tizian bewarben sich um die Ausführung; der 
letztere trug den Sieg davon. S0 entstand jenes Wunderwerk, welches 
sich bis auf den unseligen Brand des Jahres 1867, der es vernichtete, 
im Besitz dieser Kirche befand, nachdem es gleich so vielen anderen 
Kunstwerken Italiens Während der napoleonischen Herrschaft die zu- 
sammengeraubte Sammlung des Musee Napoleon eine Zeitlang ge- 
schmückt hatte.  
Wenn man einen Blick auf die mächtige Composition wirft, 
(Fig. 126), so ist der Inhalt derselben in seiner allgemein menschlichen 
Gewalt so ergreifend, dass man kaum auf den Einfall kommt, zu fragen, 
welcher specielle Vorfall sich hier begiebt. Genug, ein Wehrloser, 
dazu ein Mann Gottes, wird hinterrücks von Mördern überfallen und 
erschlagen. Was kümmert es uns zu wissen, dass dieser heilige Petrus, 
welcher vorzugsweise nder Märtyrer" genannt wird, im Jahre 1202 
geboren ward, als Mitglied des Dominikaner-Ordens zu hohem Ein- 
fluss gelangte, in Oberitalien vom Papst zum Grossinquisitor und 
Ketzerrichter gegen eine Sekte der Manichäer ernannt wurde und im 
Jahre 1252 auf der Strasse von Como nach Mailand durch gedungene
        

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