Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270994
Buch. 
Kapitel. 
Lionardo 
Vinci. 
Könige in den Uffizien, die er nur in brauner Untermalung begonnen 
hat; die Fedgrgkizze dazu befindet sich in derselben Sammlung. In 
dieser ungemein reichen lebensvollen Composition (Fig. 2) thut er einen 
bedeutenden Schritt über das bis dahin Herkömmliche hinaus. Die 
Madonna, eine holclselige Gestalt, auf einem Felsabhang sitzend, nimmt 
die Mitte des Bildes ein. Sie neigt sich liebevoll über das Kind und 
hält dasselbe sorglich umarmt, da dieses sich lebhaft zu dem ältesten 
der drei Könige herabneigt und mit dem linken Händchen nach dem 
Gefässe langt, welches dieser mit dem Ausdruck innigster Verehrung 
ihm knieend darreicht. Gegenüber kniet ein jugendlicher König, der 
mit inbrünstiger Andacht auf die schöne Gruppe blickt und ebenfalls 
eine Gabe fast zaghaft hinhält. Den dritten der Könige erblickt man 
hinter der Madonna. Von allen Seiten drängen Männer und Frauen, 
Greise und Jünglinge in freudiger Erregung heran, so dass keine 
gleiehgültige Figur sich bietet, vielmehr jede in reicher Abstufung der 
Empfindung an dem Vorgang theilnimmt und ein rauschender Klang 
der Freude das Ganze durchdringt. Dabei ist bewunderungswürdig, 
mit welcher Weisheit der Künstler ohne allen Zwang das Ganze im 
herrlichsten Rhythmus symmetrisch aufgebaut hat, wie schön er durch 
Vertheilung von Licht und Schatten die Gruppen gesondert und durch 
edle Linienführung wieder verbunden hat. Seiner Lust an Pferden 
hat er durch Hinzufügung einiger Reitergestalten Genüge gethan, den 
Hintergrund sodann nach der Sitte der Zeit mit mancherlei kleinen 
Scenen von Kämpfen, Ueberfällen u. dgl. ausgefüllt, wobei das Pferd 
Wieder eine grosse Rolle spielt. Bei allem Reichthum herrscht aber 
doch in der Composition eine Einheit und Geschlossenheit, welche einen 
erheblichen Fortschritt über die früheren Behandlungen des Themas 
bekundet. Milanesfs Vermuthung, dass dieses Bild mit dem im März 
1481 von den Mönchen von S. Donato ihm um 300 Goldgulden ver- 
dungenen Altarbilde identisch sei, hat viel Wahrscheinliches. Zu Va- 
sari's Zeit befand sich das Werk im Hause des Amerigo Benci. Drei 
Jahre vorher, am Neujahrstage 1478, hatten die städtischen Behörden 
ihm ein kurz zuvor dem Pollajuolo zugesagtes Altarbild für die Bern- 
hardskapelle des Palazzo Vecchio übertragen. Wenn man einen älteren 
'Meister zu Gunsten eines jüngeren zurücktreten lässt, so ist dies wohl 
der stärkste Beweis von der Bedeutung, die man letzterem zugesteht. 
Auch dieses Werk erhielt erst nachmals durch Filippino Lippi (I. 366) 
seine Vollendung.  
Wie lange Lionardo in Florenz geblieben, ist nicht überliefert;
        

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