Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276248
536 
Buch. 
XII. 
Kapitel. 
Venezianer. 
hündchen sich auch hier zu ihren Füssen schmiegt. Wiederum vollendet 
der Blick in eine köstliche Gebirgslandschaft den hochpoetischen Ein- 
druck des Bildes. Eine Variante dieser Darstellung bietet die in 
ähnlich mächtigen Formen durchgeführte Venus im Museum zu Madrid, 
wo zu Füssen der Schönen ein Cavalier, den Rücken gegen sie keh- 
rend, sitzt, der zu dieser Poesie der Dämmerstunde auf einer Orgel 
die begleitende Musik erschallen lasst, aber durch das Gebell des 
eifersüchtigen Hündchens gestört, sich scheltend gegen dieses umwendet. 
Auch von dieser Darstellung giebt es mehrfache Varianten, die offenbar 
aus der Werkstatt des Meisters stammen. So die Venus in der Galerie 
zu Dresden Nr. 209 (Fig.122) und eine andere im Fitzwilliam- 
Museum: zu Cambridge. In sonniger Landschaft ruht auf offnem Altan 
das herrlichste Weib, leicht auf weisse Linnen und Kissen hingegossen; 
Der Ausdruck des schönen Kopfes ist voll Unbefangenheit; es ist 
keine kokette Schaustellung, keine Empfindung der Schuld, kein heim- 
licher Reiz des Verbotenen darin. Der goldene Rahmen dieser Schöpfung 
umspannt ein Stück des Paradieses; wer möchte einen unreinen Ge- 
danken hineintragen? Vor ihr, halb von ihr gewandt, sitzt ein Cavalier 
mit der Laute. Er scheint sie eben zu fragen, welche Romanze er 
aus dem vor ihm aufgeschlagenen Notenbuche singen soll. Derweil 
ist ein schelmischer Liebesgott beschäftigt, der Schönen einen Blumen- 
kranz auf's Haar zu setzen. In dem jungen Manne hat man mit 
wenig Wahrscheinlichkeit Philipp II. erkennen wollen, dessen Geliebte, 
Prinzessin Eboli, das herrliche Frauenbild vorstelle. Das Bild ist ge- 
tränkt mit goldig klarstem Sonnenschein. Die Gestalt ist fast ohne 
Schatten ganz im vollen Lichte modellirt und hebt sich mit schwellen- 
den Formen von den blendend weissen Tüchern ab. 
Neben diesen grossen Idealbildern weiblicher Schönheit schuf 
Tizian sodann eine Reihe von Frauengestalten in einfacher Porträtform, 
meistens Halbiiguren im Kniestück oder Brustbild, die schon durch 
die Mannichfaltigkeit der Auffassung anziehen. Denn es begegnen 
uns hier neben dem eigentlichen Bildniss, welches die Dargestellten 
in vollem Kostüm der Zeit mit dem Glanz der edlen Tracht der 
Renaissance vorführt, jene freieren Gebilde, in welchen die Formen 
unverhüllt oder nur theilweise bekleidet, mit dem ungebrochenen Zauber 
höchster Natur auf den Beschauer wirken. Wie kein andrer Meister 
hat Tizian in solchen Werken sich der verklärten Schilderung weib- 
licher Schönheit gewidmet. Denn wenn Lionardds Frauen durch das 
geheimnissvolle Lächeln eine seelenvolle Innerlichkeit zu räthselhaftem
        

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