Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270975
Buch  
Kapitel. 
da Vinci. 
Lionardo 
Gewandstudien aus jener Zeit ist uns Manches erhalten; so, um nur 
ein Beispiel hervorzuheben, die köstliche in Oel auf Leinwand ausge- 
führte Draperie in derselben Sammlung (Br. 180), deren Verwandtschaft 
mit der Madonna auf dem Verkündigungsbilde von Monte Oliveto wir 
anderwarts nachgewiesen haben. Andre Gewandstudien von ähnlicher 
Vollendung finden wir im Louvre (Br. 182) und in den Üfhzien (Br. 
430. 431. 437. 447). Auf solche Zeichnungen beziehen sich Vasarifs 
Bemerkungen über die Art von Lionardds Studien: „Bisweilen formte 
er Modelle verschiedener Figuren in Erde, legte darüber weiche in 
Gips getauchte Lappen und mühte sich mit äusserster Geduld, sie auf 
ganz feine oder schon gebrauchte Leinwand nachzuzeichnen, indem er 
sie schwarz und weiss mit der Spitze desPinscls bewundernswürdig 
ausführte." Und mit Recht fügt Vasari hinzu: „Auf Papier zeichnete 
er so fleissig und sauber, dass keiner ihn hierin je an Zartheit erreicht 
hatff Wie er dabei stets bemüht war, mit den einfachsten Mitteln 
der Zeichnung den Gegenständen die vollkommenste Rundung zu. geben, 
und wie er in Ausbildung des Helldunkels alle Zeitgenossen übertraf, 
beweist jede seiner zahlreichen Zeichnungen. In diese frühe Zeit des 
Meisters würde auch die grosse auf grünem Papier ausgeführte Ma- 
donna iin Britischen Museum (Br. 45) zu setzen sein, wenn nicht der 
unschöne Typus des Kopfes und die krampfig gekrümmten Hände 
eher auf Verrocchio deuteten. 
Aber die bildenden Künste allein vermochten, wie gesagt, den 
rastlosen Geist dieses ausserordentlichen Mannes nicht zu befriedigen. 
Ebenso eifrig widmete er sich seinen mathematischen und physikalischen 
Studien, seinen mechanischen und hydraulischen Arbeiten. Er entwarf, 
wie Vasari berichtet, zahlreiche Zeichnungen zu Bauwerken aller Art, 
zu Mühlen, Walkmühlen und andern durch Wasser getriebenen Ma- 
schinen; nicht minder war er unermüdlich, Modelle und Zeichnungen 
zu entwerfen, um Berge abzutragen und zu durchbrechen, um Seehäfen 
zu reinigen und durch Pumpen Wasser in höher gelegene Gegenden 
zu bringen, auch mit Winden, Haspen und Schrauben bedeutende 
Lasten zu heben. Besonders beschäftigte ihn der Plan, den Arno von 
Florenz bis Pisa zu kanalisiren und dadurch schiffbar zu machen; ja 
ihm schien es nicht unmöglich, das Baptisterium S. Giovanni, welches 
durch die allmähliche Erhöhung des umgebenden Platzes etwas einge- 
sunken erscheint, empor zu heben und ihm einen Stufenbau unterzu- 
schieben. Man kann sagen, dass das ganze Gebiet der Natur ihm 
schon damals Gegenstand der Forschung und Untersuchung war, 
        

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