Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276109
522 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
XII. 
Venezianer. 
Die 
blickt; von frischester Naivetät sind die beiden Kinder, voll ruhiger 
Würde die beiden Heiligen. Die Sorgfalt der Ausführung und der 
lichte Farbenaccord sowie die Feinheit des geistigen Ausdrucks stellen 
dies herrliche Bild dem Christus mit dem Zinsgroschen sehr nahe. 
Wie sich Tizian in diesen einfachen Aufgaben im Wetteifer mit 
Palma zu edelster Anmuth und bezaubernder Farbenwirkung erhebt, 
lässt sich an einer Reihe ähnlicher Bilder nachweisen. Dahin gehört 
eine Madonna mit der h. Brigitta und einem Ritter im Museum zu 
Madrid, sowie die Madonna mit Antonius und dem kleinen Johannes- 
in den Uffizien Nr. 633, an feiner Lebenswahrheit, anmuthigem Aus- 
druck und köstlichem Farbenreiz eins der schönsten derartigen Bilder, 
mit dem Namen des Künstlers bezeichnet. Auch hier ist die Aus- 
führung ungemein sorgsam, besonders aber von entzückender Natürlich- 
keit sind die beiden Knaben  Johannes bringt seinem Spielkameraden 
Rosen, die dieser mit kindlicher Freude entgegen nimmt.  Eine 
andere kleine Madonna derselben Sammlung Nr. 590 ist allerdings 
nicht von gleicher Vollendung, aber doch wohl als tizianisch anzu- 
erkennen, wie namentlich aus dem schönen Linienzug der Composition, 
besonders der meisterhaften Anordnung der Hände hervorzugehen 
scheint. (Fig. 119.) Die schöne junge Mutter hält das auf ihrem 
Schoosse stehende Kind mit beiden Händen herzlich umfangen, während 
der kleine Johannes lherannaht und mit lebendiger Bewegung nach 
dem rechten Fusse des Christkindes greift. (Die Cherubimköpfe, welche 
den Hintergrund füllen, haben wir auf unserer Abbildung fortgelassen.) 
Ebendort befindet sich unter Fig. 618 eine grossartig breit angelegte, 
aber zum Theil nur untermalte Madonna mit dem Kinde, welche genau 
das Motiv der später zu erwähnenden Madonna Pesaro darbietet. Jeden- 
falls ist das Werk interessant, weil es Aufschlüsse über das technische 
Verfahren Tizian's gewährt. 
Zu weihevollerem Ausdruck erhebt sich die Schilderung in dem 
herrlichen Bilde des Belvedere (II. Stock, II. 39), welches wieder in 
Halbflguren die Madonna, eine königlich hoheitvolle Frau, mit dem 
Christkind auf dem Schoosse sitzend darstellt. Andächtig blickt sie 
auf den Kleinen herab, der mit reizender Lebendigkeit das Händchen 
zur Mutter ausstreckt. Auch hier ist das Kind, wie auf den letzterwähn- 
ten Bildern, voll heiterer Lust, während es auf den frühesten Bildern 
ungewöhnlich ernsthaft erschien. Vor der Gruppe steht die grossartige 
Greisengestalt desh. Hieronymus mit lang herablluthendem Bart, in 
einem Buche lesend, während neben ihm einerseits der ritterliche Georg,
        

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