Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276075
Tizialm. 
Ausführung. 
Technische 
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ausführlicher zu reden haben. Eher kann man in solchen Werken 
den Einfluss Dürerls erkennen, der 1506 bekanntlich in Venedig war 
und dort ein grosses Altarbild malte, welches, wie er selbst erzählt, 
unter den italienischen Malern lauten Beifall fand. Dass die bei den 
deutschen Meistern, besonders bei Dürer mit Vorliebe gepflegten land- 
schaftlichen Hintergründe auf Tizian eingewirkt haben, bezeugt Vasari 
selbst, der sogar erzählt, Tizian habe "einige deutsche, treffliche Meister 
in Ausführung von Landschaften und Laubwerk in sein Haus genom- 
men, um sich darin zu üben". Dass dann Tizian (ähnlich wie schon 
Giorgione begonnen hatte) in seinen landschaftlichen Hintergründen 
alle deutschen und gleichzeitigen italienischen Meister übertraf, weil er 
die bunte Vielheit der nordischen Naturauffassung vermied und den 
Vorgängen eine charaktervoll. entsprechende, stimmungsreiche Umgebung 
in wenigen grossen Zügen zu verleihen wusste, braucht kaum bemerkt 
zu werden. 
Fast alle Bilder Tizian's sind in einem breiten, grossartigen Styl 
mit kühnen, freien Pinselstrichen behandelt. Doch bemerkt man bald, 
dass die früheren Werke durch grössere Sorgfalt der Behandlung und 
detaillirende Feinheit der Pinselführung sich unterscheiden. Das Ver- 
langen nach seinen Werken steigerte sich indess bald so sehr, dass er 
manchmal gezwungen war, bei der Ausführung {iüchtiger zu verfahren. 
Obwohl trotzdem in seinen ächten Bildern stets eine Gediegenheit und 
Klarheit der Farbenbehandlung herrscht, die den gelegentlichen Mangel 
einer feineren Durchführung wenig hervortreten lasst, so finden wir 
doch ein Zeugniss, wie schon damals kunstsinnige Besteller wohl einen 
Unterschied zwischen den besser oder minder gut ausgeführten Werken 
Tizian's zu machen verstanden. Federigo Gonzaga schreibt am 3. August 
1536 an den Meister und bittet ihn, ihm ein Christusbild zu machen, 
ähnlich dem, welches er ihm früher einmal geschenkt habe; er möge 
es aber mit der Sorgfalt und dem Fleisse machen, die er bei den- 
jenigen Werken anzuwenden pflege, mit denen er Ehre einzulegen 
wünsche, auf dass man das Bild „zu den vortrefflichen Werken 
Tizian's zählen könne". (nChe si possa chiamar delle eocellenti opere di 
Tizianoa.) Aus diesem und manchen anderen Briefen geht auch hervor, 
wie oft er auf Verlangen seiner Gönner und Freunde sich veranlasst 
sah, ein beliebt gewordenes Bild zu copiren oder zu wiederholen, 
Erst im höchsten Alter soll die Sicherheit der Hand und des 
Auges ihn etwas verlassen haben, ohne dass er, gewohnt an tlnablassiges 
Schaffen, dessen inne geworden wäre. Eins seiner letzten Bilder ist
        

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