Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276001
512 
Buch. 
Kapitel. 
Venezianer. 
Johann Friedrich von Sachsen malte. Auch für Philipp war er in den 
letzten Zeiten seines Lebens vielfach beschäftigt, und eine Reihe der 
glühendsten, jugendfrischesten Bilder verdankte diesem Verhältniss ihre 
Entstehung. Ebenso wurde Tizian im Jahre 1545 an den päpstlichen 
Hof berufen, um Papst Paul III. zu malen. 
Von solchen Ausflügen mochte der "Fürst der Maler", mit Ehren 
überhäuft, gern nach seiner Lagunenheimath zurückkehren, wo er im 
Kreise kunstverwandter und geistvoller Freunde ein Leben voll Thätig- 
keit und Genuss in edler Unabhängigkeit führte. Hatte er durch seine 
Kunst sich Reichthümer erworben, so wusste er dieselben in freigebiger 
Weise zu verwenden. Seine Tochter stattete er in einer für jene Zeit 
glänzenden Art mit einer Summe von 2400 Dukaten aus; für seinen 
Sohn Pomponio, der den geistlichen Stand erwählt hatte, sorgte er, 
indem er ihm Benefizien und Pfründen von seinen hohen Gönnern 
verschaffte. Für seine Freunde war er unablässig bemüht sich zu 
verwenden. Unter diesen stehen der berühmte Baumeister Jacopo 
Sansovino, der in Venedig ebenso die Architektur beherrschte, wie 
Tizian die Malerei, und Pietro Aretino obenan. Es wirft ein merki 
würdiges Streiflicht auf die moralischen Zustände jener Zeit, dass ein 
so giftiges Lästermaul, ein so grundboshafter und gemeiner Charakter 
wie Pietro sich nicht bloss des Ümganges mit den ausgezeichnetsten 
Männern rühmen konnte, sondern wegen seiner Darstellungsgabe und 
seines vernichtenden Witzeseine Macht ausübte, welche die mächtigsten 
Fürsten der Zeit bewog, ihm zu schmeicheln und ihn durch Geld zu 
bestechen. Tizian mag seinen Umgang sowohl aus Weltklugheit als 
aus Gefallen an seiner geistreichen, witzigen Unterhaltung gepflegt 
haben. Gewiss ist, dass unser Meister in seinem menschlichen Wcrthe 
nicht nach diesem Genossen gemessen werden darf. Denn wie hoch 
Tizian an Adel der Gesinnung, an Treue und Uneigennützigkeit über 
ihm stand, erkennen wir aus manchen Zügen seines Lebens und manchen 
brieflichen Aeusserungen. Wies er doch, obwohl er sonst weltliche 
Vortheile klug zu würdigen wusste, das ihm angebotene einträgliche 
Amt des päpstlichen Siegelbewahrers zurück, um nicht dem Sebastian 
del Piombo, der dasselbe besass, zu nahe zu treten. 
Tizian war mit Donna Cecilia verheirathet, die ihm drei Kinder, 
ausser den beiden Söhnen noch eine Tochter, geschenkt hatte, als sie 
ihm 1530 durch den Tod entrissen wurde. Der Meister war untröstlich 
über diesen Verlust, der ihm um so schmerzlicher war, da die im zarten 
Alter stehenden Kinder weibliche Pfiege dringend bedurften. Er nahm
        

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