Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275999
Tizian. 
Verhältniss 
zu Karl 
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Unabhängigkeit in einfacheren Verhältnissen mit einer glänzenden Hof- 
stellung" zu vertauschen. Besser sagte ihm das freie Verkehren mit 
seinen hohen Gönnern zu, welches freilich damals noch durch die minder 
ceremoniösen, mehr einfach menschlichen Beziehungen zwischen Fürsten 
und Künstlern einen erhöhten Reiz gewann. Bittet doch einmal Fede- 
rigo Gonzaga seinen „Meister Tizian", ihm ein Gericht Fische von 
Venedig mitzubringen. 
Kaiser Karl wusste den Unabhängigkeitssinn Tizian's zu achten 
und liess keine Gelegenheit vorbeigehen, ihn auszuzeichnen oder zu 
sich zu laden. Bald nach der ersten Bekanntschaft fühlte der Kaiser 
sich bewogen, ihn durch ein erst kürzlich veröffentlichtes Diplom zum 
Ritter vom goldenen Sporn und zum Grafen des lateranensischen Pa- 
lastes und des kaiserlichen Hofes und Consistoriums zu ernennen, und 
ihm alle damit verbundenen Privilegien zu verleihen, namentlich das 
Recht, allerorten im heiligen römischen Reiche Notare, Kanzler und 
ordentliche Richter zu ernennen, illegitime Kinder legitim zu erkla- 
ren u. s. w. Unter den Motiven, welche das zu Barcelona am 10. Mai 
1533 erlassene Diplom anführt, heisst das bezeichnendste: „Sintemal 
wir Deine besondre Treue und Ergebenheit gegen uns und das heilige 
römische Reich, imgleichen unter Deinen übrigen ausgezeichneten Tu- 
genden und Geistesgaben Deine ausgesuchte Kunst zu malen und 
Bildnisse nach der Natur darzustellen in Erwägung genommen haben, 
in welcher Kunst Du Dich uns als ein solcher bewiesen hast, dass Du 
mit Recht der Apelles unsres Jahrhunderts genannt zu werden ver- 
dienst; und indem wir das Beispiel unsrer Vorgänger Alexanders des 
Grossen und des Octavianus Augustus nachahmen, von welchen Jener 
einzig vom Apelles, dieser nur von den ausgezeichnetsten Malern dar- 
gestellt sein wollte, wodurch sie weislich verhüteten, dass nicht durch 
die Mängel ungeschickter Maler und durch schlechte und unschöne 
Bilder ihr Ruhm bei der Nachwelt beeinträchtigt werde: so haben wir 
uns Dir zum Malen anvertraut und darin sowohl von Deinem Geschicke 
wie von Deinem Glücke solche Beweise erfahren, dass wir mit Recht 
beschlossen haben, Dich mit kaiserlichen Ehren zu schmücken, um 
dadurch unsre Gnade gegen Dich kund zu thun und ein Zeugniss 
Deiner Tugenden auch bei der Nachwelt zu hinterlassena  Mehr- 
mals finden wir, denn auch Tizian in der Folgezeit am Hofe des Kaisers. 
So im Frühling 1536 zu Asti im Feldlager, als Karl gegen Frankreich 
rüstete; so 1548 und kurz nachher 1550 wiederholt mit grossem Ge- 
folge in Augsburg, wo er unter anderm Philipp II. und den Kurfürsten
        

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