Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275974
Tizian. 
 Staatsanstellung. 
509 
noch „der beste in der Malerei" genannt wird. Hätte damals Tizian 
schon als bedeutender Meister gegolten, so dürfte dies schwerlich der 
scharfen Beobachtungsgabe Dürer's entgangen sein. Erst 1507 mit 
dem bereits erwähnten ersten öffentlichen Auftrage für die Kaufhalle 
der Deutschen scheint Tizian selbständig hervorgetreten zu sein und 
bald seine Mitstrebenden in Schatten gestellt zu haben. Aber schon 
in einer unterm 31. Mai 1513 an den Senat von Venedig gerichteten 
Bittschrift kann er sich darauf berufen, dass er mehrmals von Papst 
Leo X. und anderen Herren aufgefordert worden sei, in ihre Dienste 
zu treten, dass er aber aus Liebe zu seiner selbstgewählten Heimath- 
stadt vorgezogen habe, in Venedig zu bleiben. Er knüpft daran die 
Bitte, ihn im Saale des grossen Rathes malen zu lassen, und verspricht 
all sein Talent und seinen Geist darauf zu verwenden und mit dem 
Schlachtbilde auf der Seite nach dem Platze hin zu beginnen, welches, 
wie er nicht ohne Selbstgefühl hinzusetzt, „das schwierigste ist, ein 
Unternehmen, dem sich bisher noch kein Mensch hat unterziehen wollen." 
Dafür aber bittet er, ihm das Amt des Maklers (die nsanseria") im 
Kaufhause der Deutschen zu verleihen. Dies war ein Ehrenamt, welches 
die Herren von Venedig jedesmal dem ausgezeichnetsten Maler der 
Stadt zuertheilten, und mit welchem eine Jahreseinnahme von 120 Du- 
katen und die Verpflichtung, den jedesmaligen Dogen für den Preis 
von acht Scudi zu malen, verbunden war. Damals besass Giovanni 
Bellini noch jenes Amt; gleichwohl beschloss der Rath am 28. November 
1514 bereits, dass Tizian seiner Zeit die Anwartschaft darauf geltend 
machen dürfe. Solches geschah denn auch in einem Briefe des Meisters, 
in welchem er sich erbietet, das im Saale des grossen Rathes von Pietro 
Perugino begonnene Wandbild der Begegnung Kaiser Friedrichs des 
Rothbarts mit dem Papst Alexander HI. zu Venedig um die Hälfte 
des von jenem geforderten Preises von 800 Dukaten zu malen, wogegen 
er sein Anrecht auf die Sanseria geltend macht. In einem Erlass vom 
28. Januar 1515 wurden ihm statt der 400 Dukaten freilich nur 300 
zugestanden, die Anwartschaft auf das Makleramt dagegen bestätigt, 
und als Bellini am 29. November 1516 gestorben war, erhielt Tizian 
durch einen Senatsbeschluss vom 5. December desselben Jahres die Stelle. 
Man erkennt aus diesen Verhandlungen deutlich die Geltung 
Tizian's, der offenbar schon damals als der erste Meister der Malerei 
in Venedig betrachtet wurde. Um dieselbe Zeit sehen wir ihn denn 
auch für auswärtige Fürsten vielfach thätig. Für Herzog Alfonso von 
Ferrara namentlich malte er mehrere mythologische Bilder, ferner den
        

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