Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275939
Palma Vecchio. 
Frauenbildnisse. 
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heimnissvolle Feuer jenes Meisters erreicht, so giebt er dafür was in 
seiner individuellen Begabung liegt, den fesselnden Zauber einer weichen 
Anmuth, in welcher das Sinnliche sich oft wundervoll verklärt. Palma 
ist deshalb einer der berufensten Schilderer weiblicher Schönheit, die 
er sowohl in ihrer gottgeschafifenen Nacktheit, wie in dem reizvollen 
Apparat eines verfeinerten Kulturzustandes unübertrefflich schildert. 
Eins der schönsten Werke dieser Art ist die sogen. Venus im Museum 
zu Dresden. In sanftem Schlummer auf weissem Lager ausgestreckt, 
das ernst liebliche Antlitz von braunem Haar umizlossen, von einem 
schlichten landschaftlichen Hintergrund eingefasst, ist es eins der an- 
muthigsten und reinsten Bilder weiblicher Schönheit. Eine köstliche 
Gestalt ist sodann die Lucrezia im Belvedere zu Wien, bei welcher 
der Künstler einen Schritt in's Dramatische wagt, aber weniger durch 
den Ausdruck als durch die blühende Schönheit des Kolorits entzückt. 
In diese Reihe gehört auch das vor 1512 ausgeführte Bild von Adam 
und Eva im Museum zu Braunschweig, wo die lebensgrossen Ge- 
stalten sich von dem grünen Hintergründe fast blendend abheben. In 
der Judith der Uffizien tritt wieder der Ausdruck des Charakters 
beträchtlich zurück hinter der allgemeinen Schilderung reizvoller 
Frauenschönheit. 
Wir wissen, dass der Künstler manche Einzelgestalten mytho- 
logischer Art geschaffen hat, die indess grösstentheils nicht mehr nach- 
zuweisen sind. Dass auch hier die Schilderung weiblichen Reizes das 
Thema bildete, ist nicht zu bezweifeln. Was Palma in der Darstellung 
vornehmer Frauenschönheit leistete, ist uns noch in einer Anzahl von 
Meisterwerken köstlichster Art vor Augen. Vielleicht das schönste Bild 
dieser Gattung ist die lange Zeit auf Tizian zurückgeführte Tafel in 
der Galerie Sciarra zu Rom. Es ist eine Dame, bei welcher die volle, 
üppige venezianische Schönheit durch den Zauber vornehmer Erschei- 
nung gedämpft wird. Das Roth und Blau des Gewandes mit roth und 
weiss gesteppten Aermeln, das volliliessende blondlockige Haar bilden 
mit dem Schmelz der Carnation an Hals und Schultern einen farbigen 
Zusammenklang von unvergleichlichem Reiz. Bezeichnend für Palma 
sind die wohlgepflegten etwas zu weichen und fetten Hände mit ihrer 
feinen bläulichen Modellirung. Aehnlicher Art ist das Frauenporträt in 
der Galerie Barberini, von weichem Reiz sinnlicher Anmuth. Sodann 
eine ganze Reihenfolge, nicht weniger als sechs solcher köstlicher Ge- 
stalten im Belvedere zu Wien, unter welchen die sogen. Violante einen 
hervorragenden Rang einnimmt. Leider haben mehrere dieser Bilder
        

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