Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275895
Vecchio. 
Palma 
Heilige Familien. 
501 
Aufnahme fand. Im Üebrigen scheint sein Leben selbst wie eine Idylle 
still dahingeflossen zu sein. 
Schon früh muss er zu selbständiger Entwickelung gekommen 
sein, denn mit etwa zwanzig Jahren tritt er uns als fertiger Meister 
entgegen, wie er denn zu denjenigen Künstlern gehört, welche sich 
am wenigsten durch verschiedenartige Stilphasen auszeichnen. Eins 
seiner frühesten Bilder in der Sammlung Reiset zu Paris tragt aus- 
nahmsweise den Namen des Meisters und die Jahrzahl 1500. Wohl 
zeigt es eine etwas schärfere Bestimmtheit in Zeichnung und Model- 
lirung, aber schon erkennt man darin die völlige Ausbildung der ihm 
eigenen idyllischen Auffassung des h. Familienbildes, Welche man tref- 
fend als Santa Conversazione bezeichnet. Man sieht in Halbfiguren- die 
Madonna, eine mütterlich üppige Gestalt, auf ihrem Schooss das Kind 
haltend, welches sich zu dem h. Hieronymus wendet, während auf der 
andern Seite Petrus einen knieenden Stifter empfiehlt. Ein köstliches 
Bild ähnlicher Art, gleichfalls in Halbfiguren, besitzt die Galerie zu 
Dresden unter Nr. 245; ebenso eine treffliche Tafel der Galerie zu 
Bergamo Nr. 156, von besonders goldiger Klarheit des Kolorits und 
überaus freier breiter Behandlung; ähnlich ein anderes Bild im Palazzo 
Colonna zu Rom. Alle diese Werke stehen einander in Formgebung, 
Ausdrucksweise und Empfindung ungemein nah; sie zeigen einen Künst- 
ler, der in diesem engen Gebiet nicht müde wird, das einfache Thema 
immer neu zu variiren; in der That ist es ein musikalischer Reiz, der 
mit seinen sanften Mclodieen Jeden gefangen nimmt und kaum merken 
lasst, dass an Stelle geistiger Tiefe und machtvoller Charakteristik der 
Künstler uns eine einfache Zusammenstellung liebenswürdiger rein 
menschlicher Gestalten bietet, die vom vornehm Huldvollen bis in's 
bürgerlich ja fast bäuerlich Schlichte hinabreichen. Er verklärt diese 
ruhigen Zustandsbilder, in denen die Menschen einander wenig Geist- 
reiches und Bedeutendes, aber durchweg Freundliches zu sagen haben, 
durch die frische leuchtende Herrlichkeit seines Kolorits, den sammt- 
artigen Schmelz des Fleisches _und die wonnige Stimmung seiner 
Landschaften. 
Zu den hervorragendsten Bildern dieser Art gehört das im Bel- 
vedere zu Wien befindliche (Fig. 117), welches in ganzen Figuren die 
Madonna mit der h. Barbara und dem verehrungsvoll zu dem Kinde 
aufblickenden Täufer darstellt, während auf der andern Seite die lang- 
bartige Greisengestalt des h. Cölestin und die fast schelmisch zum 
Beschauer sich umwendende h. Katharina anziehende Gegensätze bilden.
        

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