Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270930
Buch. 
Kapitel. 
Lionard o 
Vinci, 
waren wissenschaftliche Experimente, durch welche er sich über die 
Gesetze des Milskelspiels bei verschiedenem Gemüthsailsdruck klar zu 
werden 511611135 Es existiren noch manche Zeichnungen dieser Art, die 
bis in's barock Hässliche und Abschreckende sich verlieren, so sehr 
war neben der höchsten Schönheit auch das bis zur Karikatur Hass- 
liche Gegenstand seines Studiums. 
Aber auch ein Zug jener aus dem Mittelalter ererbten Phantastik, 
der das 15. Jahrhundert noch erfüllt, gibt sich darin zu erkennen. So 
[hatte er für einen Freund einen Neptun auf seinem Wagen gezeichnet, 
wie er von Seepferden auf stürmischem Meere dahingezogen wird. 
Eine prachtvolle Kreidezeichnung dieses Gegenstandes sieht man zu 
Windsor. (Nr. 48 der kürzlich von der Grosvenor Gallery heraus- 
gegebenen Publikation.) Auch hier waren gespenstische Erscheinungen 
mächtiger Seethiere, der Wind- und Meeresgötter ein Zeugniss dieser 
Richtung. Drachenkätmpfe von zwingender Gewalt phantastischer 
Erfindung begegnen uns mehrfach in seinen Zeichnungen, so in der 
Ambrosiana (Phot, Braun 43), in den Uffizien (Br. 451), namentlich 
aber in einem herrlichen Blatt der Yvindsor-Sammlung (N r. 59). Sodann 
malte er ein Medusenhailpt, welches durch die mit dem Haar wild 
vertlochtenen Schlangen einen grauenhaften Eindruck machte; es blieb 
aber wie viele WTerke Lionardds unvollendet, und das in den Üffizien 
dafür ausgegebene Bild gehört, wie jetzt allgemein anerkannt ist, einer 
späteren Hand. Auch das Gegenstück zu diesem Werke, welches in 
kühnster Verkürzung das Brustbild eines Engels darstellte, ist ver- 
schollen. Dasselbe Schicksal hat den von Vasari gerühmten hölzernen 
Schild ereilt, welchen er auf den Wunsch seines Vaters für einen 
Bauer ausftihrte. Lionardo malte darauf ein phantastisches Ungeheuer, 
in welchem er die Formen von Eidechsen, Grillen, Schlangen, Schmetter- 
lingen, Fledermäusen u. dgl. auf so seltsame Weise zu verbinden wusste, 
dass sein Vater, als er zur Besichtigung des Werkes gerufen wurde, 
entsetzt davor zurückfuhr. „Dies ist die Wirkung, die man vom 
Kunstwerk erwartet," sagte Lionardo, als er seinem Vater den Schild 
übergab; dieser aber verkaufte das Werk für hundert Dukaten an 
einen Kunsthändler, von welchem es um den dreifachen Preis an den 
Herzog von Mailand Lodovico il Moro überging. Vielleicht wurde 
der Fürst durch dieses Werk zuerst auf Lionardo aufmerksam. 
Wie sehr Lionardo damals auf genaueste Beobachtung und Nach- 
ahmung der Natur ausging, wird uns mehrfach durch Vasari bezeugt. 
So hatte er einen grau in grau gemalten Carton von Adam und Eva
        

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