Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275759
Giorgione. 
am Fondaco. 
Fresken 
487 
Figuren und steinfarbige Köpfe als Consolen; an den abgestumpften 
Ecken des Gebäudes Geometer mit der Messung der Erdkugel be- 
schäftigt; endlich theilte er den oberen, die Facade abschliessenden 
Fries in Nischen, welche einzelne Gestalten enthielten. Alle diese 
Werke sind bis auf die letzte Spur untergegangen; die spärlichen Reste 
hat im vorigen Jahrhundert Zanetti gezeichnet und herausgegeben, 
aber aus den wenigen einzelnen Figuren lässt sich kein Urtheil über 
Werth und Zusammenhang des Ganzen gewinnen. Vasari, der das 
Einzelne höchlich lobt, tadelt, dass man weder eine Folge von Bildern, 
noch einzelne Begebenheiten aus dem Leben berühmter Personen des 
Alterthums oder der neueren Zeit finde; er für seinen Theil habe nie 
den Sinn des Ganzen verstehen können und auch Niemand gefunden, 
der verstanden hätte, ihn zu erklären. Offenbar hat Giorgione sich von 
dem herkömmlichen Gedankengang solcher Darstellungen losgesagt und, 
sich dem freien Zuge seiner Phantasie überlassend, ein Werk geschaffen, 
das nur durch den Zauber der Schönheit und malerischer Behandlung 
fesselte. Bei Vollendung des Werkes im Jahr 1508, entstand ein Streit 
über die Bezahlung, und auf den Vorschlag Giovanni Bellinfs wurden 
mehrere Maler, darunter Carpaccio, zur Abschätzung der Fresken auf- 
gefordert. Sie setzten den damals bedeutenden Preis von 150 Dukaten 
fest, worauf dann Giorgione sich mit einer Summe von 130 Dukaten 
befriedigt erklärte. 
Während er noch an der Arbeit war, Wusste Tizian es dahin zu 
bringen, dass die Fresken für die nach der Merceria gelegene Seite 
des Kaufhauses ihm übertragen wurden. Obwohl dies die weniger 
sichtbare und daher wenig günstige Seite des Gebäudes war, darf man 
doch schwerlich mit Crowe und Cavalcaselle annehmen, dass er diesen 
Auftrag als Schüler Giorgione's erhalten habe. So spärlich die Nach- 
richten sind, so lassen sie doch recht. gut eine Rivalität der beiden 
Meister erkennen, die hier in ihrem dreissigsten Jahre sicherlich beide 
völlig selbständig auftraten. Zanetti, der noch genug von diesen jetzt 
gänzlich untergegangenen Werken sah, rühmt bei Giorgione die glühende 
und originale schöpferische Kraft, die Neuheit und Lebendigkeit der 
Motive, die Meisterschaft in Abstufung und Vertheilung von Licht und 
Schatten, an Tizian den grösseren, ruhigeren und weiseren Genius, der 
das grosse Feuer Giorgione's in den tiefen Schatten und dem glühenden 
Fleischton zu einem Stil von vollkommener Schönheit zu mildern ge- 
wusst. Die salzige Feuchtigkeit der Luft Venedigs hat alle diese Werke, 
sowie die übrigen Fresken Giorgione's zerstört. Dagegen schreibt
        

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