Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275747
486 
Buch. 
XII. 
Kapitel. 
Die Venezianer. 
 und selbst auf seinen Meister Bellini gewann. So wurde er der Be- 
gründer des grossen freien Stils der Venezianer und führte ihre Malerei 
zu jener Höhe, auf welcher Tizian und die Seinen sicher fussen und 
sich machtvoll in die Breite entfalten konnten. Giorgione selbst war 
es aber vom Geschick nicht vergönnt, die Früchte seines Strebens zu 
ernten. Schon im Jahr 1511 raffte ihn ein frühzeitiger jäher Tod hin. 
Nach Ridolfi starb er aus Schmerz über die Untreue seiner Geliebten 
und die Undankbarkeit eines Schülers, der sie ihm entführte; nach 
Vasari wäre er durch die geliebte Frau von der Pest angesteckt worden, 
wogegen freilich zu sprechen scheint, dass diese Seuche damals in 
Venedig nicht aufgetreten ist. Wie dem auch sein mag, eine glühend 
leidenschaftliche Natur haben wir ohne Zweifel in Giorgione zu er- 
kennen, und sie mag zu seinem frühen Untergang mit beigetragen haben. 
Von den Werken des Meisters ist nur Weniges auf uns gekommen, 
da Vieles untergegangen oder durch spätere Üeberarbeitung bis zur 
Unkenntlichkeit entstellt ist. Namentlich haben wir den Untergang 
seiner sämmtlichen Fresken zu beklagen, was um so mehr zu bedauern 
ist, da er in dieser den Venezianern sonst wenig geläufigen Technik 
vorzugsweise sich auszeichnete. Es wird erzählt, dass er sein eigenes 
Haus in Venedig an der Faeade mit Bildern geschmückt habe, durch 
welche er bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Er 
habe dann bald den Auftrag bekommen, an verschiedenen Palästen 
Aehnliches auszuführen. S0 malte er am Palazzo Loredan Wappen- 
schilde und Atlanten, Löwenköpfe und allegorische Gestalten von Tu- 
genden, darunter die lebenglühende Figur der Fortitudo. Ebenso malte 
er die Facade des Palazzo Soranzo bei San Polo, wo er nach Vasarfs 
Ausdruck eine Menge Begebenheiten und Phantasieiiguren anbrachte, 
unter denen ein Bild des Frühlings von demselben Berichterstatter als 
eines der schönsten Werke gerühmt wird. In solchen Arbeiten überbot 
er alle seine Zeit- und Landsgenossen dermassen, dass er bei dem 
Neubau des 1504 abgebrannten Kaufhauses der Deutschen den ansehn- 
lichen Auftrag erhielt, die ganze gegen den Kanal gelegene Seite mit 
Fresken zu schmücken. Dass er dabei älteren Meistern wie Bellini 
und Carpaccio vorgezogen wurde, kann nicht wundernehmen, wenn 
man erwägt, dass diese fast ausschliesslich sich der Tafelmalerei wid- 
meten und dass Facadendekorationen nach Schätzung und Bezahlung 
schon damals einen untergeordneten Rang einnahmen. Giorgione malte 
an den unteren Flächen stattliche Reiteriiguren in Colonnaden, an den 
Friesen, durch welche er die Stockwerke abtheilte, Trophäen, nackte
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.