Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275700
482 
Buch  
Kapitel. 
Lombarden und Piemontesen. 
endlich in der Galerie zu Modena unter Nr. 38 ein dem Giovanni 
Bellini zugeschriebenes Madonnenbild, welches an Catena erinnert. 
Die völlige Freiheit des neuen Stiles, aber schon mit starker 
Hinneigung zum Manierismus, findet man bei den Söhnen Galeazzds 
Giulio und Antonio, sowie bei seinem Neffen Bernardino. Wir haben 
diese schon gänzlich von Eklecticismus erfüllten Künstler hier nicht 
weiter zu verfolgen; namentlich Correggio hat stark auf sie eingewirkt, 
aber wohl mag darauf hingewiesen werden, wie selbst in diesen Künst- 
lern noch ein bedeutender Sinn für Gesammtdekorationen sich in den 
Kirchen Oremona's zu erkennen giebt. S0 ist S. Margherita durch 
die feinen Fresken Giulio's (1547) ausgezeichnet, die noch voll Anmuth 
und Würde, auch in der Farbe frisch und gut sind. Das Ganze von 
trefflicher Harmonie, die Eintheilung der Decke vorzüglich, die 0rna- 
mentale Einfassung, wesentlich goldene und buntfarbige Ornamente auf 
weissem Grunde, von grossem Reiz. Noch bedeutender ist S. Sigis- 
mondo, eine der schönsten Renaissancekirchen Italiens, einschifiig mit 
Spiegelgewölbe und tiefen Seitenkapellen mit Kreuzgewölben, das ganze 
Innere an Wänden und Decken von den Campi und ihren Gehülfen 
bemalt, wohl etwas zu reich und bunt, weil auch die Pilaster, Zwickel, 
Gurten und sonstigen Einfassungen anstatt grau in grau durchaus farbig 
gehalten sind, auch zu grosses iigürliches und ornamentales Detail zeigen. 
Im Ganzen aber von grosser Pracht und festlich heiterer Wirkung, 
freilich schon etwas weltlich. Bei der Ausgiessung des h. Geistes von 
Giulio Campi sind die wunderlich herauflangenden Hände auffallend, es 
ist ein grosses Concert von gesticulirenden Armen, während die dazu 
gehörigen Heiligen, ganz nach Correggids Art, fast nur als Gewand- 
massen mit einem Stück stark verkürzten Gesichtes zur Erscheinung 
kommen. Das Hochaltarbild von demselben Künstler, die thronende 
Madonna mit Heiligen, welche Francesco Sforza und seine Gemahlin 
empfehlen (1540), ist eine gediegene Arbeit von kraftvollem, nur in den 
Schatten etwas zu schwerem Kolorit. Die dritte dieser prachtvoll deko- 
rirten Kirchen ist S. Pietro, ebenfalls ein edler Renaissancebau, drei- 
schiffig mit Kapellen, Querhaus, Kuppel und halbrundem Chorschluss, 
ebenfalls vollständig ausgemalt, in der Wirkung ebenso reich als har- 
monisch, an den Pfeilern und den Friesen über den Arkaden durch 
plastische Ornamente kräftig belebt, die Gemälde freilich schon stark 
manierirt. Immerhin stellen alle diese Werke eine Nachblüthe von 
ungewöhnlich andauernder Kraft und Lebensfülle dar.
        

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