Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275669
478 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
Lombarden 
und 
Piemontesen. 
öffnen sich die grossartigen Hallen des Rathhauses mit Rundbogen- 
fenstern und trotzigem Zinnenkranz und daneben die gewaltige Kaufhalle. 
Alle diese Werke gehören der Glanzzeit Cremonafs an. Als aber die 
Renaissance die Welt zu bewegen begann, fand sie auch in Cremona 
Eingang, und der glänzende Backsteinbau der Lombardei brachte auch 
hier stolze Paläste und üppige Prachtportale hervor. Seit 1517 führte 
man sodann die eleganten Marmorarkaden auf, welche sich vor dem 
Dome hinziehen und ihn mit den benachbarten Gebäuden verbinden. 
Inzwischen hatte auch die Malerei nicht gefeiert und sich aus der 
Stagnation der spät mittelalterlichen Zeit durch das Vorbild Mantegna's 
und der Ferraresen zu neuem Leben aufgeschwilngen. Der erste Künst- 
ler von Bedeutung war Bonifazio Bembo gewesen, der im Dienste des 
Herzogs Francesco Sforza seit 1461 bedeutende Arbeiten für die Aus- 
stattung der Kastelle von Mailand und Pavia übernahm, auf deren 
Umfang wir aus dem Umstandc schliessen können, dass für Pavia allein 
der Kostenanschlag sich auf 8000 Dukaten belief. In S. Agostino zu 
Cremona sieht man noch die allerdings fast völlig erneuerten Bildnisse 
von Francesco Sforza und seiner Gemahlin Bianca Maria, welche diese 
nach dem Tode ihres Gatten dort ausführen liess. 
Klarer tritt uns die Gestalt des Boccaccio Boccaccino hervor, der 
um 1460 geboren war und 1518 gestorben zu sein scheint. Schon 1497 
hatte er in S. Agostino eine Reihe von Fresken ausgeführt, später in 
Rom und Venedig gearbeitet, war dann aber nach Cremona zurück- 
gekehrt. Vasari erzählt, er habe in Rom eine Krönung der Madonna 
gemalt, sei aber wegen dieses Werkes und mehr noch wegen seines 
beissenden Urtheils über Michelangelds Arbeiten von der öffentlichen 
Kritik so scharf mitgenommen worden, dass er im Aerger nach Cremona 
zurückgekehrt sei. Wenn an dieser Erzählung nicht Alles Erdichtung 
ist, so muss Boccaccinds Aufenthalt in Rom in viel spätere Zeit fallen, 
als man gewöhnlich annimmt, da wir ihn seit 1506 im Dom seiner 
Vaterstadt beschäftigt finden. Möglich, dass er zwischen 1508 und 1514 
nach Rom gegangen ist, da wir zwischen diesen Daten allerdings eine 
Pause in seinen Arbeiten für den Dom finden. Seit 1506 begann man 
nämlich in Cremcna die malerische Ausschmückung des Domes, einen 
der riesigsten Cyklen von Wandmalereien, welche Italien aufweist. 
Bekanntlich ist der Dom , ähnlich den Domen von Pisa und Ancona, 
eine grossartige mittelalterliche Basilika mit ausgedehntem dreischiffigeln 
Querhaus. An den gesammten Oberwänden dieses imposanten Innern 
ziehen sich die Fresken hin, mit deren Ausführung zunächst Boccaccino
        

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