Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275647
476 
Buch. 
Kapitel. 
und 
Lomharden 
Piemontesen. 
zeigt sich die Gestalt und das Antlitz Christi, wunderschön auch die 
den Heiland umschwebenden Engel, tief empfunden die Gruppe um die 
ohnmächtige Madonna, namentlich Johannes von ergreifendem Ausdruck 
der Klage, leidenschaftlich bewegt die in verkürztem Halbprofil sich 
bietende Magdalena, deren gewaltsamer Schmerz sich in den heftig 
ausgestreckten Armen verräth. Die unteren Theile des Bildes sind stark 
ausgeblieben und haben auch sonst gelitten, die oberen dagegen, nament- 
lich die Engel am Gewölbe, sind überaus kräftig und farhenfrisch. 
Gegenüber ist die Geisselung dargestellt, ebenfalls stark dramatisch 
bewegt, in den unteren Theilen leider arg zerstört. Darüber sieht man, 
wie der Schmerzensmann dem Volke dargestellt wird, eine klare Com- 
position voll edler Empfindung, wobei die milde Ergebung im Ausdruck 
Christi durch die keck und frei bewegten Henker noch gesteigert wird. 
An den Gewölbkappen endlich malte Gaudenzio auf blauem Grunde je 
zwei Engel mit den Marterwerkzeilgen, Gestalten von freier Schönheit, 
köstlich und leicht schwebend. 
Endlich ist noch des reichen Schatzes von Kartons zu gedenken, 
welcher sich in der Akademie zu Turin befindet. Sie gehören durch 
Adel des Stils, Reinheit der Formen und rafaelische Schönheit der 
Gestalten, der Köpfe und Gewänder zu den werthvollsten Arbeiten des 
Meisters. 
Von den Schülern Gaudenzids ist hauptsächlich Bewzardino Lemma 
zu nennen, der in manchen seiner Werke seinem Meister sehr nahe 
kommt, später aber  er lebte bis gegen 1580  sich nicht von 
Manier frei zu halten wusste. Im Dom zu N ovara sieht man mehrere 
recht gute Fresken aus der ehemaligen Kapelle des h. Joseph. Ein 
vortreffliches Bild der thifonenden Madonna mit den Heiligen Rochus, 
Johannes dem Täufer, Sebastian und Antonius, mit dem Namen des 
Meisters "Bernardinus" bezeichnet, kraftvoll und schön gemalt, wie ein 
Gaudenzio, besitzt die Galerie zu Turin unter Nr. 60 bis. Ein gutes 
Bild derselben Sammlung ist auch Nr. 56, eine grosse Kreuzabnahme, die 
sich allerdings stark an Gaudenzio anlehnt, indess hinter seiner Kraft 
erheblich zurückbleibt. Noch recht tüchtig bewährt er sich ebendort 
in einer thronenden Madonna mit Heiligen, Nr. 62, welche den Namen 
Bernardinus Laninus und die Jahrzahl 1564 trägt. Dagegen zeigt er 
sich in der h. Familie, Nr. 51, schon arg manierirt. Recht gut ist 
wieder ein mit dem Namen und dem Datilm 1568 bezeichnetes Bild 
in S. Paolo zu Vercelli, wo die Madonna das Christkind mehreren 
Heiligen, unter denen sich auch der Paulus aus RafaePs Cäcilia befindet,
        

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