Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275615
Gaudenzio 
Ferrari. 
Fresken in 
Vercelli. 
478 
empfindungsvoll die Gruppe der ohnmächtigen Madonna, der edle 
Christus und die denselben umschwebenden trauernden Engel, schlicht 
und gediegen endlich der unten knieende Stifter, das Ganze von gross- 
artiger Freiheit und Kraft. Im nördlichen Querschiff sodann vom Jahre 
1534 vier grosse Wandbilder nebst einigen kleineren dazwischen ange- 
brachten mit der Geschichte der Madonna, ihrer Geburt und Vermäh- 
lung, der Geburt Christi und der Anbetung der Könige, daneben an 
der Ostwand eine riesige Darstellung der Himmelfahrt Maria, wiederum 
eines seiner herrlichsten Werke. (Fig. 112.) In. weissem sternbesäten 
Gewande von grossartigem Faltenwurf schwebt die hoheitvolle jung- 
fräuliche Gestalt mit dem Ausdruck innigen Entzückens empor, von 
jubelnden Engelgruppen umgeben, welche in dem reizenden Muthwillen 
der Bewegungen und Verkürzungen an Correggio erinnern. Von oben 
her schwebt Gottvater, eine herrliche Gestalt mit langem weissen Barte 
herab, um ihr die Krone aufzusetzen. Es ist ohne Frage eine der 
schönsten Darstellungen des Themas, die wir kennen. Den unteren 
Theil bildet die Schaar der Apostel, die in leidenschaftlicher Aufregung 
der verklärten Erscheinung nachblicken." In den übrigen Bildern herrscht 
eine heitere, selbst genrehafte Auffassung der Wirklichkeit vor. So 
namentlich bei der Geburt Maria, wo die Vorbereitungen zum Baden 
des Kindes auf's Ergötzlichste geschildert werden. Auch bei der Ver- 
mählung bilden die Mädchen aus dem Volk mit den Puffarmeln ihres 
Zeitkostüms, bei der Anbetung der Könige die mit Hunden spielenden 
Kinder, der seinem Gebieter die Sporen abschnallende Page heitere 
Episoden. In der Mitte ist ein h. Bischof und die h. Agnes dargestellt, 
welche zwei knieende Stifterinnen, vornehme Damen in schwarzer Tracht, 
der Madonna empfehlen. Das ganze grosse Werk ist in lichten frischen 
Tönen breit und frei gemalt und zeigt die wonnige Leichtigkeit, mit 
welcher Gaudenzio sich in solchen grossräumigen Fresken zu ergehen 
liebte. Ausserdem findet man in dem kleinen Oratorium S. Caterina 
Reste der ehemals das Ganze bedeckenden Fresken, leider in einem 
Zustand trauriger Zerstörung. Man sieht noch die Verurtheilung der 
h. Katharina, dann ihr Martyrium, eine Vereinfachung der Composition 
in der Brera, endlich nochmals die Heilige, welche der Madonna das 
Rad präsentirt, dabei eine knieende Bruderschaft. An den Zwickeln 
des mit Kreuzgewölbe und Stichkappen bedeckten Raumes sind hübsche 
schwebende Engel meist zu zweien gemalt. Im Klostergange befindet 
sich noch ein besser erhaltenes Freskobild aus der Legende der Hei- 
ligen, ebenfalls aus Gaudenzids späterer Zeit. Zu seinen empfindungs-
        

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