Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275602
472 
Buch. 
Kapitel. 
Lombarden 
und 
Piemontesen. 
nichts mit ihm zu schaffen; dagegen gehören ihm die Fresken in der 
Kapelle der h. drei Könige, die trotz starker Zerstörung noch manchen 
frischen Zug seiner lebensvollen Kunst erkennen lassen. Sodann in der 
Kapelle der Kreuzigung die Darstellung des Opfertodes Christi mit 
zahlreichen Gruppen von zuschauendem Volk, schönen Frauen mit 
Kindern, Kriegsknechten und stattlichen Reitern in buntem Zeitkostüm, 
am Gewölbe ein herrlicher Chor klagender Engel, das Ganze ein reso- 
lutes Werk aus Gaudenzids letzter Zeit. Es scheint, dass er mit 
Vorliebe stets wieder aus dem bewegten Leben der grossen Städte in 
sein schönes heimathliches Alpenthal zurückkehrte und an der künst- 
lerischen Ausstattung weiterarbeitete. So sieht man in S. M. di Lo- 
reto eine Freskolünette mit der Geburt Christi von edler Einfachheit 
der Anordnung und sinniger Anmuth der Gestalten. In Morbegno, 
wo in S. Antonio ebenfalls eine Freskolünette mit der Geburt Christi 
von ihm zeugt, hatte er seine Lebensgefährtin, Maria della Foppa, 
gefunden. Auch sonst hatte er für die Umgegend reichlich zu thun, 
wie denn die Pfarrkirche seines Geburtsortes Valduggia wieder ein 
Fresko mit der Geburt Christi von ihm besitzt. Es ist von hohem 
Reiz zu verfolgen, wie er gleich allen grossen Meistern der Zeit in 
solchen einfachen stets wiederkehrenden Aufgaben unerschöpflich reich 
an frischen neuen Motiven ist. 
In den Anfang der dreissiger Jahre fallen sodann die grossen 
Arbeiten in Vercelli. Zunächst in S. Cristoforo die grandiosen Fres- 
ken, mit welchen er die Wände des ganzen Kreuzschitiis bedeckte. Von 
1532 datirt die an der Querwand des südlichen Armes ausgeführte 
Verklärung der h. Magdalena. Das Bild hat allerdings bei einer Be- 
lagerung der Stadt im Jahr 1704 starke Beschädigungen erlitten, aber 
immer noch ist die köstliche nur von ihrem langen Lockenhaar be- 
kleidete, von jubelnden Engeln emporgetragene Heilige eine seiner 
schönsten Gestalten. Sodann eine edel angeordnete Composition der 
Magdalena, die dem Heiland die F üsse wäscht. Unten folgt die Ein- 
segnung eines Ehepaars, wo die lebensvolle Macht der Wirklichkeit in 
Gestalten von prächtiger Freiheit zur Geltung kommt. An der Ost- 
wand des Querschiffes malte er sodann eine grosse Kreuzigung, die 
drei Kreuze wieder sehr zusammengedrängt, die ganze Composition mit 
leichter Umgestaltung der geläufigen Anordnung, der Hauptmann z. B. 
ganz derselbe wie auf dem Bilde in Canobbio, überhaupt die Gruppen 
der zu Pferde und zu Fuss Zuschauenden von derselben Art in Anord- 
nung und Charakteristik, die ganze Scene überaus belebt, besonders
        

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