Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275579
Gaudenzio Ferrari. 
Fresken. 
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Behagen geschilderten Henkern wieder die Vorliebe für herkulische 
Gestalten, etwa im Sinn der Henker auf RafaePs Spasimo, nur wieder 
in's Derbere, Landsknechtmässige gesteigert. Dies Behagen an der 
Ausmalung einer Henkerscene contrastirt seltsam mit dem ziemlich 
gleichmüthigen Ausdruck der Gestalten, die sich nur massig von dem 
über sie hereinbrechenden Unheil erregt zeigen. Heftigkeit verräth 
nur die Bewegung des herabfahrenden Engels, auf dessen Geheiss die 
Räder sogleich ihren Dienst versagen werden, um die Peiniger selbst 
zu zerschmettern. Ueberaus mild und edel ist der Ausdruck der Hei- 
ligen, deren sanfter Aufblick und milde Formen an Francia erinnern; 
vortrefflich ist der Körper modellirt und bildet den Lichtpunkt in dem 
Farbenaccord, der ungemein glänzend, saftig und frisch, fast etwas grell 
erscheint. Ebenfalls ein Bild der späteren Zeit ist die Taufe Christi 
in S. Maria presse S. Celso, in Form und malerischer Behandlung 
dem vorher besprochenen Werke verwandt, besonders der herabschwe- 
bende Gottvater und die beiden dienenden Engel von herrlichem Aus- 
druck. Endlich sieht man in S. M. della Passione ein wegen der 
ungewöhnlichen gedrangten Composition sehr merkwürdiges Abendmahl, 
die Apostel voll freier Bewegung, der Farbenton auffallend bleich, 
freskoartig, das Streben nach dramatischem Ausdruck allerdings nicht 
frei von Zwang und Manier. 
Noch freier und lebendiger ergeht sich Gaudenzids Kunst in den 
zahlreichen Fresken, welche er in verschiedenen Epochen seines Lebens 
ausgeführt hat. Erst hier lernt man ihn in seiner ganzen Frische, Leich- 
tigkeit und Fülle des Schaffens kennen. Bei diesen ausgedehnten Werken 
kam ihm eine gewisse dekorative Richtung seines Talentes trefflich zu 
statten, und die meisterliche Sicherheit, mit welcher er diese Technik 
handhabt, verbürgt ihm einen hohen Platz unter den glänzendsten Freske- 
malern der Zeit. In lichten klaren Tönen, in kräftiger Entwicklung 
der Formen und lebensvoller Gestaltungskraft entwirft er diese oft sehr 
ausgedehnten Werke mit einer Frische, die nirgends Zwang, Anstren- 
gung oder Mühe verräth. Die Compositionen sind selbst bei gelegent- 
licher starker Ueberfüllung der Pläne klar, die Gestalten voll Würde 
und Schönheit, namentlich die Madonna und die jugendlichen Heiligen 
von oft hinreissender Anmuth, die jubelnden Engelchöre vollends von 
bezaubernder Lieblichkeit, die sich in heiterer Weltlust ausspricht. 
Besonders weiss er die Gewänder mit einem freien Fluss, einem edlen 
Schwunge zu behandeln, so dass sie sowohl in den ruhig stehenden, 
wie in den lebendiger bewegten Gestalten zum vollkommenen Ausdruck
        

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