Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275553
Ferrari. 
Gaudenzio 
Altartafeln. 
467 
Madonna, welcher die h. Elisabeth das Christkind darreicht, auffallend 
trüb in der Farbe. Weit geringer sind die dazu gehörigen Tafeln 
Nr. 52, die Begegnung der Maria mit der Elisabeth, und Nr. 57, Joachim 
aus dem Tempel vertrieben, "welche offenbar einer schwächeren Schüler- 
hand anzurechnen sind, während die aus demselben Cyclus stammende 
Tafel Nr. 53 mit dem segnenden Gottvater besser, aber ebenfalls sehr 
trüb in der Farbe ist. Eine grossartige Gestalt sieht man dagegen unter 
Nr. 49 in dem trefflich ausgeführten Bilde des h. Petrus, welcher einen 
knieenden Stifter empfiehlt. Das schönste Werk in der Galerie ist jedoch 
die grosse Pieta Nr. 54, eine edle Composition von leuchtender Kraft des 
Kolorits, in stimmungsvoller Landschaft von tief ernstem Ton, ergreifend 
im Ausdruck, treffliche Köpfe, bei denen wieder die herrlich gemalten 
Bärte auffallen. Auch das neuerdings für die Galerie erworbene Bild 
(Nr. 54 bis), eine Madonna mit dem Kinde und den H. Mauritius und 
Uartinus, ist ein gediegenes Werk seiner mittleren Zeit, von kraftvoller 
Färbung, die nur durch die zu schweren Schatten beeinträchtigt wird. 
Auf der vollen Höhe seiner Kunst schuf Gaudenzio das grossartige 
Altarbild in der Kirche zu Canobbio mit einer figurenreichen Dar- 
stellung der Kreuztragung. Es ist eine gedrängte, doch fest aufgebaute 
Composition, welche an die rafaelische erinnert. Christus ist seitwärts 
nach rechts gewendet und blickt in sanfter Ergebung und schmerz- 
lichem Antheil auf die Madonna, die ohnmächtig hingesunken ist, von 
Johannes und den Frauen mit inniger Theilnahme aufgefangen und 
beklagt. Gegenüber hat der Künstler sich's nicht versagen können, als 
Begleiter des Zuges einen stattlichen weissen Rüden anzubringen, wäh- 
rend in der Tiefe des Bildes, auf den Beschauer gerade zureitend, die 
Anführer auf zwei Schimmeln und mehreren braunen Rossen sichtbar 
werden. Diese Vorliebe für Darstellung, von Cavalcaden, die auch auf 
Luini's Kreuzigung sich bemerklich macht, ist um so auffallender, da die 
Pferde überaus steif und hölzern sind. Die Reiter zeigen sich als gut- 
müthige wohlgenährte Männer, mit prachtvollen Bärten in der statt- 
liehen Tracht deutscher oder schweizerischer Landsknechte. Man begreift, 
dass solche kriegerische Erscheinungen damals die Phantasie eines lom- 
bardischen Malers und seines Publikums stark beschäftigen mussten. 
Auch an Kriegsknechten zu Fuss fehlt es nicht, bei denen der Künstler 
an Armen und Beinen mit dem Spiel einer effektvollen Muskulatur 
prunken konnte. Die Behandlung erinnert an Werke aus Rafaefs 
mittlerer römischer Epoche. Doch sind die Typen nicht eigentlich 
rafaelisch, sondern lombardisch, wie denn das sehr tief gestimmte, kraft-
        

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