Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275527
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Bucli. 
Kapitel: 
Piemontesen. 
und 
Lombarden 
Madonna mit vier Heiligen, daneben wieder auf besonderen Tafeln je 
zwei Heilige, Petrus und Johannes den Täufer, Paulus und einen Bi- 
schof. Darüber sieht man in der Mitte, wie das neugeborene Christ- 
kind von zwei lieblichen Engeln gehalten und von Maria und Joseph 
verehrt wird , während auf dem Felde die Hirten die frohe Botschaft 
vom Himmel empfangen. Daneben auf zwei besonderen Feldern die 
Verkündigung, wo die Madonna an Sodoma erinnert. Auch hier ver- 
rathen die schlichten herkömmlichen Motive einen immer noch wenig 
selbständig entwickelten Künstler, der sich aber durch grosse Anmuth 
und milde Weichheit der Empfindung auszeichnet. Der Farbenton ist 
goldig-blond, in's Röthliche spielend. Die feinen Ornamente und zier- 
lichen Goldsäume der Gewänder verrathen einen alterthümlichen Sinn 
für Zierlichkeit. Etwas schwer und gross, nicht ganz lebendig bewegt 
sind die Hände. Lebendiger ergeht sich der Künstler in den kleinen 
braun gemalten Predellenbildern, die frisch und lebendig erzählt sind 
und zuerst einen Anklang an rafaelischen Stil zeigen. 
Nicht viel später kann das schöne Altarbild sein, welches man in 
der Sakristei des Domes daselbst sieht. (Fig.109.) Es stellt die Ver- 
lobung der h. Katharina im Beisein mehrerer Heiligen dar und ist ein 
schönes Werk von tiefem warmen Ton; die Madonna erinnert etwas 
an Lionardo. Ebendort befindet sich ein Abendmahl von etwas späterer 
Entstehung, eng componirt, die sehr bewegten Apostel im Kreise um 
den Tisch sitzend, milde edle Köpfe, nur Christus etwas leer im Aus- 
druck, Johannes in herkömmlicher Weise an der Brust des Herrn liegend, 
die Farbe kräftig und leuchtend. Zu den früheren, bald nach 1515 
entstandenen Bildern gehört die Vermählung der Madonna im _D0m zu 
Como, ein Bild, das in der Anmuth der Köpfe Verwandtschaft mit 
Sodoma aufweist. Ebendort sieht man von ihm ein Altarbild mit der 
Flucht nach Aegypten. Eine andere Darstellung der Vermählung der 
Jungfrau, grau in grau gemalt, ebenfalls aus früher Zeit, ein kleines 
Bild mit naiv lebendigen Zügen besitzt die Ambrosiana. Auch bei 
Duca Scotti sieht man ein frühes gutes Bild des Künstlers, die Geburt 
des Christkindes darstellend. 
In seiner mittleren Zeit verschwindet die alterthümliche Befangen- 
heit und macht einem freieren Lebensgefühl, einer energischen Charak- 
teristik und einer kraftvolleren Ausprägung der Formen Platz. So die 
Hoohaltartafel mit der Verlobung der h. Katharina in der Collegiat- 
kirche zu Varallo, namentlich aber mehrere Altarwerke zu Vercelli. 
Besonders edel in S. Giuliano eine Darstellung der Trauer um den
        

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