Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275489
460 
Buch. 
Kapitel. 
Lombarden 
und 
Piemontesen. 
lungen zerschneiden, wodurch das Ganzein drei Gruppen zerlegt wird. 
Da der Künstler ausserdem die mittlere Gruppe durch zwei diesseits 
des Tisches sitzende Jünger abgeschlossen hat (darunter Judas, der 
sich in unbehaglicher Empfindung abwendet), so erscheinen die beiden 
Flügelgruppen völlig ausserhalb der Handlung. So viel Schönes und 
Edles daher auch hier sich findet, so viel Wärme und Innigkeit des 
Ausdrucks, so steht das Bild doch in einheitlicher Macht der Composition 
und geistvoller Prägnanz der Charakteristik beträchtlich unter Lionardo. 
Das Bild schmückte ursprünglich das Refektorium des Klosters. End- 
lich sieht man in derselben Kirche eine Freskolünette mit der Madonna, 
welche das Christuskind hält, das ein Lamm zu besteigen Miene macht, 
während auf der andern Seite der kleine Johannes, ebenfalls von der 
Madonna umfasst, niederkniet und auf seinen göttlichen Spielkameraden 
hinweist. Das Bild ist sehr geschickt in den Raum componirt, in 
warmen harmonischen Tönen trefflich ausgeführt, die Köpfe anmuthig, 
namentlich die Madonna von holder Innigkeit. Der Name des Künst- 
lers und die Jahrzahl 1530 tragen modernes Gepräge. 
Endlich hat Luini wahrscheinlich in seiner mittleren Zeit das 
ganze Innere der Kirche San Maurizio in Mailand mit Fresken ge- 
schmückt, an denen freilich bei der grossen Ausdehnung des Werkes 
eine starke Betheiligung der Schüler zu erkennen ist. Diese Werke 
machen im Ganzen einen stark dekorativen Eindruck, Einzelnes aber 
gehört durch Adel und Schönheit der Charaktere, Innigkeit der Em- 
pündung und schmelzend weiches Kolorit zu seinen tüchtigsten Arbeiten 
Die Kirche bildet ein langgestrecktes einschiffiges Rechteck, mit Kreuz- 
gewölben überdeckt und auf beiden Seiten von vertieften Kapellen, oben 
von Emporen eingefasst. Ungefähr in der Mitte des Raumes theilt eine 
Querwand den Chor vom Schiff ab, auf beiden Seiten vollständig mit 
Fresken bedeckt, die zum Schönsten des ganzen Cyclus gehören. In 
der Mitteder östlichen Chorwand sieht man eine edle Darstellung des 
Abendmahls, links davon die Kreuzabnahme, darüber die Geisselung, 
rechts die Gefangennehmung und darüber Christus gebunden vor Pilatus 
geführt. An der inneren Seite der Querwand sieht man sodann Christi 
Verspottung, die Kreuztragung, die Kreuzigung und die Grablegung. 
An den Zwickelüächen der drei die Querwand durchbrechenden Bögen 
sind Einzelgestalten von Heiligen und Engeln von grosser Schönheit 
gemalt, die Aussenseite der Querwand enthält in der Mitte die Himmel- 
fahrt der Madonna, links die Enthauptung des h. Mauritius; darunter 
im Bogenfeld Johannes den Täufer und zwei andere Heilige, Rosalia
        

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