Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275448
456 
Buch. 
Kapitel. 
Piemontesen. 
Lomharden und 
lösers und des auterstandenen Christus, dieser besonders von feierlicher 
Bewegung und edlem Gewandwurf, in sehr hellem lichtgrauem Kolorit 
durchgeführt. Entzückend ist aus demselben Kreise ein anbetender 
Engel, schlicht und edel der h. Thomas von Aquin, natürlich belebt 
in Lage und Haltung der Prophet Habakuk, der von einem Engel 
geweckt wird. Ebenso einige einzelne Heiligen aus dem Kloster 
S. Marta,. vor Allem aber das grosse Freskobild aus der Kirche 
S. Maria gdi Brera, welches den Namen des Künstlers und die Jahr- 
zahl 1.521 trägt. Hier sieht man die huldvolle Gestalt der Madonna 
"auf dem Throne, an dessen Stufen in feierlicher Haltung mit mäch- 
tigem langbartigem Haupt der h. Antonius und die hoheitvolle h. Bar- 
bara stehen, letztere eine wahrhaft königliche Erscheinung von strah- 
lender Schönheit. Ein herrlicher Engelknabe mit der Laute, der zu 
den Füssen der Madonna musicirt, schliesst diese treffliche Compo- 
sition ab, die an Adel und Anmuth, an Zartheit der Empündung, an 
freier Schönheit des Faltenwurfs bei liebevoller Vollendung zu den köst- 
lichsten Klängen dieser goldenen Zeit gehört. Noch andere Arbeiten 
in derselben Sammlung, theils von Luini, theils von seinen Schülern 
ausgeführt, bezeugen die leichtfliessende, frei entwickelte Schöpferkraft 
des Künstlers. Eine einzelne überaus edle Gestalt istferner der 
h. Gerardus am linken Chorpfeiler im Dom zu Monza. 
Zu den bedeutendsten und zugleich frühesten Werken des Meisters 
gehört das grandiose Freskobild in der Ambrosiana, welches aus dem 
Hospital di S. Corona stammt und die Verspottung Christi darstellt. 
Hier ist die Gestalt Christi zwar .nicht geistig bedeutend, aber von 
edlem würdevollem Ausdruck, und die Charakteristik der Henker, ganz 
in LuinYs-Geiste, massvoll, selbst milde. Das .Bild ist durch Säulen- 
stellungen in drei Theile zerlegt und erhält besonders durch die zu 
beiden Seiten knieenden Gestalten der Stifter, Kanoniker in ihrem 
feierlichen Kostüme, das Gepräge markiger Charakteristik, die durch 
kraftvolle Farbengebung bedeutsam und lebendig wirkt. Es trägt die 
Jahrzahl 1515.  
Ein ganzer Cyclus von Fresken des Künstlers befindet sich in 
der Wallfahrtskirehe bei Saronno. Hier hater die Vermählung der 
Maria und den zwölfjährigen Christus unter den Sehriftgelehrten, so- 
dann im Chor die Anbetung der Könige und die Darstellung im Tempel 
ausgeführt: tigurenreiche Compositionen, etwas gedrängt in der An- 
ordnung, nicht immer glücklich im Maassstab der Gestalten, aber voll 
herrlicher Einzelheiten von lauterster Schönheit und süssester Innigkeit.
        

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