Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275406
452 
Buch. 
XI. Kapitel. 
Lombarden und 
Piemontesen. 
und verschmitzter Berechnung nicht schöner zum Ausdruck bringen, 
als es hier geschehen ist. Das Bild ist in einem warmen klaren Ton 
mit der höchsten Sorgfalt durchgeführt, von delikater Feinheit in den 
Formen, von zartem Schmelz und dabei von einer Kraft der Charak- 
teristik, die wahrscheinlich auf einen Entwurf Lionardo's zurückzuführen 
ist. In des Meisters Geist ist auch das feine Leben der ungemein 
sprechend bewegten Hände, obwohl hier in der Modellirung sich eine 
gewisse Mühsamkeit verräth. Auf gleicher Stufe steht das köstliche 
Bild in der Galerie Sciarra zu Rom, welches unter der Bezeichnung 
Eitelkeit und Bescheidenheit diese beiden Charaktergegensätze in zwei 
herrlichen Halbfiguren schöner Frauen auf's geistvollste durchführt. 
Auch hier ist der weiche Schmelz der Farbenbehandlung bezeichnend 
für Luini, nicht minder aber auch eine gewisse Schwere in der Anord- 
nung und Bewegung der Hände. Das Kolorit ist wieder von goldigem 
Ton und von köstlicher Frische. Auf Luini darf man vielleicht auch 
den schönen Kopf eines segnenden Christus in der Galerie Borghese 
zurückführen, der bei goldigem Kolorit, tiefem Schmelz der Töne, 
wunderbar weichen Üebergängen in der Modellirung und köstlicher 
Sorgfalt der Ausführung dem Lionardo sehr nahe kommt. Dabei sind 
die Hände überaus fein gezeichnet, das blühend rothe Gewand und der 
blaugrüne Mantel von prachtvoller Wirkung. Eine gewisse Unregel- 
mässigkeit im Gesicht verleiht ihm einen räthselhaften Ausdruck. So- 
dann gehört die Herodias mit dem Haupte des Täufers auf der Schüssel 
im Belvedere zu Wien zu den Bildern, in welchen der Künstler un- 
mittelbar unter dem Einfluss Lionardds steht. Wieder ein Halbfiguren- 
bild; von unheimlichem Reiz das kalte Lächeln in diesem schönen Antlitz 
mit den unruhig flimmernden Augen und den schwellenden Lippen, im' 
Gegensatz dazu der ernste todesbleiche Kopf des Bussepredigers und 
im Halbdunkel zurücktretend das energische Gesicht des Henkers. Das 
Bild ist in etwas kühlem Tone mit einer an Lionardo erinnernden 
Sorgfalt durchgeführt. Alle diese Werke verrathen eine Feinheit und 
geistige Wucht, die ebenfalls von der unmittelbaren Einwirkung jenes 
grossen Meisters Zeugniss ablegt. 
Auch in andern Tafelbildern. hält sich Luini auf ähnlicher Höhe, 
wenngleich der geistige Gehalt von geringerer Tiefe ist. Dahin gehört 
die schöne Tafel der Madonna mit dem Kinde Nr. 329 in der Brera. 
(Fig. 106.) Maria sitzt in Halbfigur vor einer Rosenlaube, die mit 
ihren Blättern und Blumen den Hintergrund bildet. Auf dem Schooss 
hält sie das mit einem leichten Hemdchen bekleidete Christkind, welches
        

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