Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275377
Solario. 
Andrea 
449 
gemalt wie ein Venezianer. Auch die anziehende Madonna ebendort 
Nr. 325 mit den Heiligen Joseph und Hieronymusund zwei Cherubim 
in hübscher Landschaft (Fig. 104) deutet auf dieselbe Schule, obwohl 
das Bild jetzt, namentlich durch das kalte Blau im Mantel der Maria 
an Harmonie eingebüsst hat. Die ruhige Haltung der Madonna, der 
stille Ausdruck ihres mütterlichen Kopfes, die markige Charakteristik 
und ausserst gediegene Durchbildung in den Köpfen und Händen der 
beiden Alten deuten auf die Schule Bellini's. Bezeichnet ist das Bild 
mit der Jahreszahl 1495 und dem Namen des Künstlers Andreas Medio- 
lanensis. Dieser energische Naturalismus milderte sich später durch 
den Einiluss Lionardo's zu liebenswürdiger Weichheit und Milde. So 
schon in Johannes dem Täufer und der h.,Katharina vom Jahre 1499 
in der Casa Poldi, wo indess noch eine gewisse alterthümliche Herbig- 
keit sich erkennen lässt. Ganz köstlich, mild -und fein bei klarer 
warmer Färbung ist die holde Madonna im Louvre, Welche sich mit 
zartlichem Ausdruck über das Christkind neigt, um ihm die Brust zu 
geben. Der edlen Innigkeit der Empfindung entspricht die zarte Zeich- 
nung und Modellirung besonders in den Händen der Madonna und dem 
Körper des Kindes und der duftige Schmelz der Behandlung. Eigen- 
thümlich lombardisch ist das Saftgrün des Kissens, auf welchem der 
Kleine sitzt. Nur der etwas steife Faltenwurf, namentlich im Aermel 
der Madonna verräth noch eine Spur alterthümlicher Strenge. Das 
liebenswürdige Bild ist offenbar aus der mittleren Zeit des Künstlers 
und tragt die Bezeichnung "Andreas de Solario fa". Ob das männ- 
liche Porträt, welches ebendort ihm zugeschrieben wird, wirklich ihm 
gehört, dürfte zweifelhaft sein; die eigenthümlich strenge Gluth des 
Kolorits deutet allerdings auf einen Lombarden.   
 Seine weitere Entwicklung lässt sich an einem trefflichen Ecce- 
homo der Galerie Poldi und noch mehr ebendort an der Ruhe auf der 
Flucht nach Aegypten vom Jahre 1515 verfolgen. Es ist ein kleines, 
köstliches Bild mit herrlicher Frühlingslandschaft, in-Formen und Aus- 
druck an Lionardo erinnernd. Nicht minder edel in der Galerie zu 
Brescia ein kreuztragender Christus, der von einem Mönch verehrt 
wird; ferner in der Galerie zu Bergamo ein Christus mit der Dornen- 
krone, innig und tief empfunden. Bei anderen Darstellungen des leiden- 
den Christus, wie in der Galerie Borghese zu Rom, hat der Künstler 
sich in's Üebertriebene verirrt. Eins seiner letzten Werke ist das 
grosse, angeblich von Giulio Campi vollendete Altarbild. der Certosa 
zu Pavia, welches die Himmelfahrt der Madonna darstellt. Sie steht 
Lübke, Italien. Malerei. II.  29
        

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