Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275348
4-16 
Buch. 
Kapitel. 
und Piernontesen. 
Lomharden 
bildung, in welcher man Lehre und Beispiel des grossen Meisters er- 
kennt. Ein tüchtiges Altarbild des Künstlers, eine thronende Madonna 
mit vier Heiligen und drei Engeln, sieht man in einer nördlichen Seiten- 
kapelle von S. Eufemia. Es ist ein schlicht symmetrisch aufgebautes 
Bild von gutbewegten Charakteren, nur die weiblichen Köpfe sind im 
Streben nach Grazie nicht frei von Gezwungenheit, die Farbe ist goldig 
warm und von intensiver Leuchtkraft. Auch das Museum zu Berlin 
besitzt ein grosses Altarbild, Nr. 210, welches die auf einer Rasenbank 
sitzende Madonna mit dem Kinde" darstellt, das den knieenden h. Am- 
brosius segnet, während der Apostel Paulus und St. Georg dabei 
stehen. Das kräftig und frisch in einem etwas kühlen Farbenton durch- 
geführte Bild ist wieder durch eine diesem Künstler eigenthümliche 
Alpenlandschaft ausgezeichnet. In Petersburg besitzt die Galerie 
der Ermitage eine von Waagen ebenfalls diesem Meister zugeschriebene 
kleinere Kopie des Abendmahls von Lionardo, die Sammlung Stro- 
ganoif eine halbverschleierte, im Uebrigen nackte weibliche Figur von 
grossem Schmelz der Behandlung, wieder charakteristisch durch die 
breiten Formen des rundlichen Kopfes und durch einen poetischen 
landschaftlichen Hintergrund. 
Sodann gehört hierher G502). Ant. Beltraffio (1467-1516), von 
welchem zunächst eine Madonna in der Casa Poldi zu Mailand zu 
erwähnen ist. Sodann sieht man bei Herrn Morelli von ihm das Brust- 
bild eines jugendlichen Christus von einer an Lionardo erinnernden 
Feinheit und Zartheit der Durchbildung und herrlichem Ausdruck. 
Besonders aber gewinnt dieser Künstler durch eine Reihe tretflichei- 
Porträts an Bedeutung. S0 in der Ambrosiana ein männliches Brust- 
bild, welches bei tüchtiger Auffassung und gediegener Durchführung 
nur in den Schatten des Fleisches gar zu schwere trübe Töne zeigt. 
Ein ausgezeichnetes männliches Porträt von vorzüglicher Kraft der 
Auffassung, fein ausgeführt, von ruhig ernster Haltung, sieht man bei 
Herrn Frizzoni. Diese Arbeiten zeichnen sich durch die breite Auf- 
fassung und die unbestechlich gediegene Durchführung aus. Das Museum 
zu Berlin besitzt eine grosse Altartafel mit der h. Barbara, in deren 
Gesicht der Typus Lionardds zu einer ernsten Strenge umgebildet 
erscheint, womit das kräftige bräunliche Kolorit gut zusammenstimmt. 
Dieselbe Galerie besitzt von ihm eine kleinere Madonna mit dem auf 
einer steinernen Brüstung vor ihr sitzenden Kinde, welches von der 
Mutter eine Blume empfängt. Endlich noch ebendort das gediegen 
behandelte Brustbild eines Bentivoglio, aus welchem ein Aufenthalt zu
        

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