Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270885
Zweites 
Kapitel. 
Lionardo 
Vinci 
Florenz bleibt auch jetzt noch der Ausgangspunkt. für die Ent- 
Wicklung der Kunst. Allerdings hatte gegen Ende des 15. J ahrhundgyts 
die Schwärmerei Savonarolas die Blüthe der Stadt nicht Wenig ge- 
schädigt und sie in heftige Wirren gestürzt. In dem fanatischen 
Puritanismus des leidenschaftlichen Mönchs kam die ascetische Rich- 
tung des Christenthums, welche neben dem fröhlichen, zum Theil 
ausgelassenen Heidenthum des Humanismus immer vorhanden gewesen 
war, zu einem Ausbruch, der eben durch den Gegensatz in's Extreme 
gesteigert wurde. So gewaltig wirkte die feurige Bercdsamkeit des 
Bussepredigers, dass er alle tieferen Naturen eine Zeit lang für sich 
zu gewinnen wusste. Selbst unter den Künstlern hatte er eine 
starke Anhängerschaft, in deren Reihen wir Männer wie Fra Bar- 
tolommeo und Michelangelo erblicken, obwohl sein Eifer den holden 
Schöpfungen der Kunst feindlich gesinnt war. Denn nicht bloss ver- 
dammte er die Darstellungen aus der antiken Mythologie, die ihn 
durch ihre Nacktheit itrgerten, sondern er eiterte sogar gegen 
kirchliche Bilder, auf welchen die Madonna die Züge und die 
Gewänder irgend einer anmuthigen Florentinerin trug. S0 rein auch 
seine Motive waren, so gehören doch die Aeusserungen derselben in 
das grosse Kapitel des menschlichen Irrwahns, und als er vollends 
sich zu einer politischen Rolle verstieg und sich zum Haupte der 
unter das ideale Scepter Christi gestellten Republik aufwarf, war sein 
Untergang unvermeidlich. 
Welch' phantastische Orgie der Askese war jener Schluss des 
Karnevals von 1497! Mit Kinderprozessionen und Psalmodieen suchte 
er die sonstige Lust des Karnevals zu verdrängen; von Haus zu Haus 
gingen seine Anhänger, um die Eitelkeiten (nvanitaa) zu sammeln, 
d. h. Bücher, Gemälde, Zeichnungen, welche ihm anstössig erschienen, 
Masken und Faschingsanzüge, und alles dies wurde auf der Piazza 
Lübke, Italien. Malerei. II.  3
        

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