Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275262
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Buch  
Kapitel. 
Gorreggio. 
früheste dieser Werke ist das herrliche Bild im Louvre, Welches als 
Jupiter und Antiope bezeichnet wird, in Wahrheit aber nur eine üppige 
im Waldesgrund schlummernde und von einem Satyr belauschte Nymphe 
darstellt. (Fig. 103.) Die Schöne liegt, Bogen und Köcher zur Seite, 
von der Jagd ermüdet im Schatten eines tiefen Eichengebüsches da, 
die weichen, schwellenden Glieder im Schlafe gelöst, das zurückgelehnte 
meisterlich verkürzte Haupt vom rechten Arm unterstützt. Es ist das 
süsseste Bild des Schlummers, das an Reiz noch gewinnt durch den 
kleinen Amor, der im holden Kinderschlafe sich neben die Nymphe auf 
ein Tigerfell gebettet hat. Ein Satyr ist durch das Unterholz herbei- 
geschlichen und hebt die Hülle von der Schlafenden, um den Blick an 
ihrer vollen Schönheit zu weiden. Das Verfangliche des Gegenstandes 
wird eben durch die völlige Entschleierung beseitigt, denn gerade da- 
durch gewinnt die Scene den Ausdruck voller Unbefangenheit. Im 
Reiz der Färbung ist es eins der vollkommensten Werke Correggids 
und steht in der Behandlung dem Tag so nahe, dass es derselben Zeit 
angehören muss. Von höchster Poesie ist die Landschaft mit dem 
Ausblick in ein tiefes Waldgebirge, welche die Gestalten mit einem 
feinen Helldunkel überhaucht. Der Ton des Fleisches ist reich abge- 
stuft, fast silberhell im Körper der Nymphe, rosig angehaucht im Amor, 
bräunlicher und kräftiger beim Satyr. Es hat nicht die glühende Farben- 
stimmung der Verlobung der Katharina, sondern einen milderen duf- 
tigeren Ton und gehört schon deshalb einer späteren Zeit an. Im 
Anfang des 17. Jahrhunderts befand es sich in der herzoglichen Samm- 
lung zu Mantua, wurde dann für Karl I. von England erworben, nach 
dessen Hinrichtung durch den bekannten Kölner Kunstfreund Jabach 
erstanden, kam endlich an den Kardinal Mazarin und von da in den 
Besitz Ludwigs XIV. 
Ebenfalls aus der mantilanischen Sammlung stammt das jetzt in 
der Nationalgalerie zu London befindliche Bild, Welches als die „Schule 
des Amor" bezeichnet wird. Es zeigt in den Typen der Köpfe und 
in der lichten flüssigen Behandlung, soweit die starken Beschädigungen 
ein Ürtheil zulassen, grosse Verwandtschaft mit der sogenannten Antiope 
und muss daher in dieselbe Zeit gesetzt werden. In einer schönen 
Gebirgslandschaft steht Amor neben dem sitzenden Merkur und sucht 
unter dessen Beistand die Züge eines Schriftstücks zu entziffern, welches 
er in Händen hält. Daneben steht Venus, blickt schalkhaft den Be- 
schauer an und weist auf Amor hin, an dessen ernsthaften Bestrebungen 
sie sich sichtlich ergötzt. Auch hier ist der Gegensatz der in duftig-ein
        

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