Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275249
436 
Buch. 
Kapitel. 
Correggio. 
In dieselbe Zeit gehört endlich die Madonna mit dem h. Georg 
in der Galerie zu Dresden, die von der Bruderschaft S. Pietro Martire 
für die Kirche dieses Heiligen in Modena bestellt wurde. Hier ist die 
Maria hoch auf einem Throne sitzend mit dem Christuskinde dargestellt. 
Ein reicher Bogen fasst das Bild ein und giebt demselben eine mehr 
architektonische Anordnung. Zu Füssen des Thrones sieht man links 
die glänzende Jünglingsgestalt des h. Georg, elegant den einen Fuss 
auf den Kopf des Drachen setzend und mit süssem Aufblick nach der 
Madonna schauend, die huldvoll lächelnd seinen Blick erwiedert. Gegen- 
über Johannes der Täufer, dessen nackte Formen nur zum Schein von 
einem Felle verhüllt sind. Neben diesen beiden stehen Petrus Martyr 
und der h. Geminian, der das Modell der Kirche, nach welchem das 
Christkind seine Händchen ausstreckt, einem Engel von den Schultern 
nimmt. Vier andere Engelknaben treiben fröhlichen Muthwillen mit den 
Waffen des ritterlichen Heiligen. Endlich brachte der Künstler auch 
am Postament des Thrones und in den Zwickeln des Bogens steinfarbige 
Genien an, die mit der übrigen reichen Dekoration sich verbinden. 
So weicht dieses Werk in seiner strengeren architektonischen Compo- 
sition wesentlich von den andern Altarbildern des Meisters ab; aber in 
dem Hervorheben eines mehr sinnlichen Liebreizes bleibt er sich auch 
hier gleich, und die Gestalten des h. Georg und Johannes des Täufers 
in dem üppigen Schmelz des verführerisch gemalten Fleisches sind nicht 
frei von koketter Selbstgefälligkeit. Das Bild hat übrigens durch Ver- 
putzen gelitten und macht daher eine bunte Wirkung. In derselben 
Galerie ist sodann noch das berühmte kleine Bild der h. Magdalena 
von jeher als ein Wunderwerk des Künstlers betrachtet worden. Dies 
wonnige Weib ist freilich keine abgehärmte Büsserin, sondern eins der 
süssesten Geschöpfe der Phantasie des Künstlers, zu poetischer Träu- 
merei in zauberischer Waldeinsamkeit auf schwellendem Rasen gebettet. 
Sie stützt mit der Hand den holden Kopf, von welchem eine Fluth 
blonder Locken sich in reizender Auflösung ergiesst, während sie in 
stiller Sammlung in einem Buche liest. Aus dem dunkelblauen Ge- 
wa.nde quillt fessellos der zarteste Busen hervor, dessen reines Weiss 
mit den feinen Tönen dämmrigen Helldunkels herausleuchtet. Die 
Poesie der Schilderung, der köstliche Zauber innigen Naturgefühls 
verklärt dies anmuthige Bild. Neuerdings wollen kritische Stimmen 
dasselbe dem Meister absprechen, hauptsächlich weil es auf Kupfer 
gemalt ist, was freilich erst im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts 
häufiger vorkommt.
        

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