Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275183
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Buch. 
Kapitel. 
Correggio. 
treten Correggids; im Bunde mit dem ihm so tief entgegengesetzten 
Michelangelo wurde er der Ausgangspunkt für die Excesse der Barok- 
malerei, Michelangelo durch die leidenschaftliche Steigerung titanischer 
Kraftnaturen, Correggio durch die höchste Erregbarkeit, die nervöse 
sinnliche Empfindsamkeit seiner Gestalten. Zugleich freilich durch jenes 
grosse künstlerische Mittel des Helldunkels, welches im letzten Grunde 
seinen Schöpfungen ihre Lebensfähigkeit verleiht; denn bei ihm ist 
Alles wie in Licht gebadet, das Stoifliche der Farben erscheint wie 
von diesem Aether aufgelöst undverklärt, die Schatten selbst sind durch- 
leuchtet von wonnigen Lichtreflexen, und eben durch dies künstlerische 
Mittel erhält seine Darstellungsweise, die scheinbar ganz realistisch ist, 
ihr ästhetisches Bürgerrecht. 
In die Zeit kurz vor der Ausführung dieses grossen Werkes fallt 
wahrscheinlich eine ehemals hochgepriesene Freske der Verkündigung 
in der Vorhalle der Annunziata, leider ebenfalls in elendem Zustande; 
sodann eine kolossale Madonna mit dem Kinde, ehemals wahrscheinlich 
über der Porta Romana, später in die Akademie übertragen. 
Neben diesen umfangreichen monumentalen Arbeiten entstand eine 
Reihe von Tafelbildern, die ebenfalls kirchlicher Bestimmung waren 
und den Meister auch auf diesem Gebiete in voller Entfaltung seiner 
Eigenthümlichkeit zeigen. Zu den frühesten dieser Werke gehört das 
kleine Bild eines Eccehomo, welches sich in der Nationalgalerie zu Lon- 
don befindet, jedoch nicht in eigenhändiger Ausführung, sondern in 
einer allerdings sehr guten alten Kopie, die freilich in der Farbe die 
Feinheit des Meisters nicht durchweg erreicht, und nur in der von 
Licht verklärten Gestalt Christi die köstliche Wirkung eines Originales 
erreicht. Im Üebrigen ist es bezeichnend für Correggids Auffassung, 
dass Christus mehr empfindsam als würdevoll und dass die ohnmächtig 
zusammenbrechende Madonna etwas sinnlich Schmachtendes und Geziertes 
hat. An solche Christusdarstellungen knüpft später Carlo Dolci mit 
seinen sentimentalen Schöpfungen an. Ungleich höher steht das kleine 
Bild des im Garten von Gethsemane betenden Erlösers, beim Herzog 
von Wellington in Apsleyhouse zu London. Es ist vielleicht das 
Tiefste und Empfundenste unter Allem was Correggio je gemalt hat, 
von ergreifender Wahrheit und Innigkeit des Ausdrucks, dabei von 
höchster malerischer Vollendung und von jener Poesie der Lichtwirkung, 
wie sie nur Correggio eigen ist. Weiter gehören hieher die beiden jetzt 
in der Galerie zu P arma aufgestellten Altarbilder, welche mit den 
Arbeiten von S. Giovanni zusammenhängen. Sie wurden nämlich wahr-
        

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