Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275165
428 
Buch. 
Kapitel. 
Gorreggio. 
Mit diesem grossen Hauptbilde hängt die dekorative Ausstattung 
der übrigen Theile zusammen, namentlich der schönen Pilaster und Friese 
mit Kandelabern, Altären, spielenden Genien, grau in grau auf dunkel- 
blauem Grunde gemalt, eine Dekoration von graziöser Lebendigkeit, 
die sich mit dem feinsten Verstandniss der Wirkung des Hauptbildes 
unterordnet.   
Von der Krönung der Maria, Welche die Chornische ausfüllte, ist, 
wie gesagt, nur ein Bruchstück in der Bibliothek aufbewahrt. Auch 
hier fehlt es an dem Ausdruck feierlicher Würde, und am wenigsten 
genügt der Christus, dessen Kopf leer und unbedeutend erscheint. Da- 
gegen ist die Madonna, welche voll Zärtlichkeit die Arme über der 
Brust kreuzt, von holdseliger Anmuth, die aber einen Anflug von tl1ea- 
tralischer Koketterie nicht verleugnen kann. In den Heiligen und 
Engeln, welche theils in ausgelassenem Jubel, theils in erregtem Ent- 
zücken der Handlung beiwohnen, empfindet man den Ausdruck der- 
selben rein weltlichen Lust, der verbunden mit der süssen Anmuth der 
Formen bestrickend wirkt, wie moderne italienische Opernmusik. Wenn 
unsere ernstere Empfindungsweise diese Auffassung mit Recht als eine 
der kirchlichen Würde unangemessene verwirft, so dürfen wir doch 
nicht vergessen, dass im Süden das sinnlicher erregte Naturell keinen 
Anstoss an solcher Mischung des Heiligen und Profanen nimmt und 
bei feierlichen Funktionen im Gottesdienst etwa einen Marsch aus Belisar 
oder aus einer ähnlichen Oper nicht unpassend findet. 
Endlich malte Correggio über der Thür zum Kreuzgang in der- 
selben Kirche den Evangelisten Johannes, wie er sich ansehickt, seine 
himmlischen Visionen aufzuzeichnen, eine Figur von ungewöhnlicher 
Würde und Schönheit. 
Diese grossen Arbeiten waren noch nicht vollendet, vielleicht erst 
zum Theil aufgedeckt, als sie dem Künstler durch die allgemeine Be- 
wunderung einen neuen noch bedeutenderen Auftrag verschafften. Im 
Herbst des Jahres 1522 entschloss sich nämlich das Domkapitel, dem 
Meister die Ausmalung der Kuppel und des ganzen Chors des Domes 
zu übertragen. Für diese grosse Arbeit wurden ihm 1000 Dukaten, 
ausserdem 100 Dukaten für Materialien bewilligt; auch versprach man 
ihm die Gerüste herzustellen und den Bewurf der Mauer ausführen zu 
lassen. Aus diesen Bestimmungen ergiebt sich schon, dass das Ansehen 
und die Werthschätzung Correggids sich erheblich gesteigert hatte. 
Von diesen Gemälden kamen allerdings nur die Fresken der Kuppel 
zur Ausführung und zwar bis gegen 1530; aber hier ist, ebenfalls durch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.