Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275132
Madonnenbilder. 
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sah, jetzt in der Ermitage zu Petersburg: sicherlich kein Werk 
unseres Meisters. Zweifelhaft scheint auch ein Bild im Museum zu 
Madrid, Christus, der als Gärtner der Magdalena erscheint, obwohl 
die Composition auf ihn zurückzuführen ist. Dagegen gehört ihm 
sicherlich das kleine Bild der Madonna, welche das Christuskind an- 
betet, in der Tribuna der Uffizien. Es ist eine seiner anmuthigsten 
und reinsten Schöpfungen, die Madonna ganz holdselige Mutterliebe, 
das Kolorit von zartem Ton und duftigem Helldunkel, ein Werk, das 
nicht später als 1519 entstanden sein kann. Auch die Madonna im 
Museum zu Neapel, welche als Ziugarella wegen ihres phantastischen 
Kopfputzes bezeichnet wird, darf in diese Epoche gesetzt werden, da 
sie in dem naiven Reiz der Behandlung, in dem wunderbar träumerischen 
Zauber des Helldunkels, in der Innigkeit des Ausdrucks und dem idyl- 
lischen Charakter der Scene dieser Entwickelungsstufe des Meisters 
genau entspricht. Eine andere Madonna in der Nationalgalerie zu 
London ist ein reizend kleines Bild von zierlicherlAusführung, voll 
naiver Anmuth, die Composition allerliebst, die Färbung in feinem 
silbergrauen Ton durchgeführt.  Maria erinnert im Typus ihres Kopfes 
an die Madonna auf der Verlobung der Katharina im Louvre. Noch 
eine andere Darstellung ähnlich idyllischen Charakters muss in diese 
Zeit gesetzt werden: die Madonna, Welche im Begriff ist ihr Kind zu 
stillen. Von diesem Werke sind drei wie es scheint eigenhändige 
Wiederholungen vorhanden, von denen die eine in der Ermitage zu 
Petersburg, eine zweite in der Galerie Esterhazy zu Budapest 
sich befindet. 
Die Arbeiten von S. Paolo fanden offenbar solchen Beifall, dass 
die Benediktiner von S. Giovanni sich bewogen fanden, Correggio 
die Ausmalung der Kuppel -und der Chorapsis ihrer Kirche anzuver- 
trauen. Nach dem vom 6. Juli 1520 datirten Kontrakt belief sich 
das Honorar für die ausgedehnte Arbeit auf die massige Summe von 
272 Dukaten. Die letzte Zahlung geschah am Q3. Januar 1524, und 
die Arbeit selbst mag, wenn man mancherlei Unterbrechungen ab- 
rechnet, nicht ganz zwei Jahre in Anspruch genommen haben. Leider 
ist dies grosse WVerk in einem traurigen Zustande von Verwahrlosung 
und Zerstörung. Durch den Abbruch und Wiederaufbau des Chores 
ging die in demselben ausgeführte Krönung der Madonna grösstentheils 
zu Grunde, und nur die Hauptgruppe gelang es von der Mauer ab- 
zulösen. Aber auch die Malereien der Kuppel haben so stark gelitten, 
indem die Verwahrlosung des Daches die Feuchtigkeit eindringen liess,
        

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