Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275123
424 
III. 
Buch. 
X. Kapitel. 
Correggio. 
Gruppen. Dazwischen malte der Künstler grau in grau in den Bogen- 
feldern ebensoviele Gruppen von verschiedenen Gestalten des klassischen 
Mythos, darunter die Grazien, die Glücksgöttin, die Erde, Juno, Mi- 
nerva, die Parzen und mehrere andere weniger bestimmbare Figuren. 
Alle diese Gestalten erinnern nur oberflächlich an die Antike und sind 
keineswegs aus einem tiefen Verständniss des klassischen Alterthums 
geschöpft. Aber in der unbefangenen Freude an der sinnlichen Er- 
scheinung begegnen sie den Werken der Antike, und die Anmuth der 
Formen, die naive Frische der Bewegungen, der köstliche Reiz eines 
durch das Helldunkel zart abgetönten Kolorits verleiht diesen Werken 
einen Zauber, wie wenige Schöpfungen dieser Zeit ihn besitzen. Sie 
sind wohl das Liebenswürdigste und Naivste, das Correggio geschaffen 
hat, an plastischem Zug und seelenvoller Anmuth den Psychebildern 
RafaePs freilich nachstehend, aber an köstlichem Farbenzauber sie weit 
übertreffend. Correggio hat hier offenbar durchaus eigenhändig ge- 
arbeitet und zwar mit einer Sorgfalt, die in den nachträglichen Schraf- 
firungen den Anfänger in der Freskotechnik verräth. In der ganzen 
Anordnung der Decke und in den treiflichen Perspektiven giebt sich 
der Einiiuss der mantuanischen Fresken Mantegna's kund, aber in der 
malerischen Durchbildung, in der duftigen Weichheit des Fleisches 
und dem feinen Helldunkel erkennt man schon die volle Eigenthümlich- 
keit Correggids. 
Inzwischen gestalteten sich die Verhältnisse des rasch zu Ruhm 
und Ansehen gekommenen Meisters so günstig, dass er gegen Ende 
des Jahres 1519 sich mit der sechzehnjährigen Tochter eines ange- 
sehenen Mannes, Girolama Francesca, vermählen konnte. Im Anfang 
desselben Jahres war ihm ausserdem ein nicht unbeträchtliches Vermächt- 
niss von einem Oheim mütterlicher Seite zugefallen. Wir Enden ihn 
um diese Zeit bald in der Vaterstadt, bald in Parma, und als er wegen 
neuer Aufträge hierhin zurückgekehrt war, blieb seine Gattin zunächst 
in Correggio zurück, wo sie ihm 1521 einen Sohn, Pomponio, gebar. 
Als später 1524 diesem eine Schwester, Francesca Letizia, folgte, waren 
die Gatten bereits in Parma dauernd niedergelassen. Noch zwei Töchter 
gingen bis 1527 aus der Ehe hervor. 
Fragen wir nach den damals entstandenen Werken des Künstlers, 
so tritt uns darunter eine Anzahl angeblicher Schöpfungen entgegen, 
die indess wenig glaubwürdig oder überhaupt nicht nachzuweisen sind. 
Dahin gehören mehrere Madonnen, vor allen Dingen aber die Schin- 
dung des Marsyas, welche man ehemals beim Herzog Litta zu Mailand
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.