Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275115
Gorreggio 
Parma. 
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sich zu solchem Ansehen aufgeschwungen, dass sein Ruf über die 
Grenzen seiner Heimath hinauszudringen begann. Wir erkennen dies 
aus der Thatsache, dass er wahrscheinlich noch in demselben Jahre 
nach Parma berufen wurde, um für das Nonnenkloster S. Paolo 
Fresken auszuführen. Parma hatte bis dahin in der Geschichte der 
italienischen Malerei eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. Kein 
irgend namhafter Künstler war von dort hervorgegangen oder hatte 
daselbst gewirkt. Kein Wunder, dass man nun auf der Höhe der 
Renaissance, da ganz Italien in künstlerischen Werken wetteiferte, 
auch hier auf einen solchen Schmuck des Lebens bedacht war. Die 
Nonnen von S. Paolo waren ein vornehmer Convent, dem seine be- 
deutenden Mittel erlaubten, sich das Leben nach der Sitte jener Zeit 
in aller weltlichen Üeppigkeit zu gestalten. Die damalige Aebtissin 
Donna Giovanna, aus patrizischem Geschlecht, war übermüthig und 
prachtliebend und schwärmte als achte Tochter der Renaissance für 
Bauten und Bilder. Nichts ist bezeichnender für den völlig verwelt- 
lichten Charakter des damaligen Klosterlebens, als die noch wohlerhal- 
tenen Fürstlichen Prunkgemächer, welche sie damals im Kloster aus- 
führen und durch die Hand des jugendlichen Correggio mit Fresken 
schmücken liess. Bis herab zu den schönen Majolikatafeln des Fuss- 
bodens erkennt man die heitere Lebenslust jener Zeit; Am meisten 
spricht sich dieselbe allerdings in den Freskomalereien aus, welche die 
Räume schmücken. Sie sowohl wie die zahlreich beigegebenen Sinn- 
sprüche athmen ausschliesslich den profanen Geist der Renaissance, 
schliessen jede kirchliche oder christliche Tendenz aus und beziehen 
sich lediglich auf die Gestalten der antiken Mythologie. Der Hauptsaal 
ist mit Darstellungen aus dem Leben der Diana geschmückt. Üeber 
dem Kamin sieht man die Göttin von der Jagd heimkehren und auf 
ihrem von Hirschkühen gezogenen "Wagen zum Olymp emporsteigen. 
Die Bewegung der Gestalt ist von bezaubernder Lebendigkeit, der 
Ausdruck des lieblichen Kopfes voll heiterer Anmuth. An der ge- 
wölbten Decke des Gemaches sind die Zwickel und Stichkappen als 
üppige Weinlaube charakterisirt, in deren Oeffnungen, von Frucht- 
gehängen und Blumenguirlanden umrahmt, auf blauem Himmelsgrunde 
Gruppen von nackten Genien, zu zweien und dreien vertheilt, sichtbar 
werden. Sie spielen in schalkhaftem Muthwillen mit Jagdgerath und 
den Hunden der Göttin oder greifen keck nach den zu ihren Häupten 
hängenden Früchten. Man kann kein reizenderes Spiel sehen als diese 
sechzehn durch Lebendigkeit und Mannichfaltigkeit entzückenden
        

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