Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275091
Frühe Altartafeln. 
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nächst in dem grossen Bilde mit den H. Petrus, Margaretha, Antonius 
und Magdalena bei Lord Ashburton in London, welches in Auffassung 
der Gestalten, in Zeichnung, Bewegung und Charakteristik, vor allem 
in dem ebenfalls noch tiefen, an Francia erinnernden Ton der Färbung 
dem Dresdener Bilde so nahe steht, dass es ungefähr derselben Zeit 
zugewiesen, vielleicht sogar noch etwas früher gesetzt werden muss. 
Eine etwas freiere Stufe erkennen wir sodann in dem kleinen Bilde 
mit der Darstellung der h. Familie in der Ruhe auf der Flucht nach 
Egypten, das wahrscheinlich im folgenden Jahre entstanden ist und 
sich jetzt in der Tribuna der Uffizien befindet. Maria sitzt unter 
einem Palmbaume und hält das auf ihrem Schoosse stehende Kind, 
welches das Händchen nach den vom h. Joseph gepflückten Datteln 
ausstreckt. Da auch dieses Bild für die Franziskanerkirche gemalt 
war, so ist der h. Franziskus vor dem Christuskinde knieend dargestellt. 
Die Composition in ihrer freiern Anordnung entsprach dem Geiste des 
Künstlers, der daraus eine anmuthige Familienidylle in lieblicher Land- 
schaft gestaltete. Das Bild zeigt eine gewisse Schwere der Gestalten 
und eine ungewöhnliche Kraft der Schattent-öne, die noch an die Früh- 
epoche des Künstlers erinnert. Von einem andern um dieselbe Zeit 
entstandenen Altarwerke, einem schwebenden Christus in der Glorie, 
mit Johannes dem Täufer und Bartholomäus auf den Flügeln des Altares, 
ist keine sichere Spur nachzuweisen, da der in der Galerie des Vatikan 
als Correggio bezeichnete Christus zu schwach für diesen ist. Auch 
die Altartafel der h. Martha, welche 1517 entstand, ist nicht mit Sicher- 
heit nachzuweisen. 
Mit voller Bestimmtheit dagegen können wir die schöne im 
Louvre befindliche Tafel mit der Verlobung der h. Katharina als ein 
11111 1517 gemaltes Werk Correggids bezeichnen. Hier tritt sein eigen- 
thümlicher Stil schon in reifer Ausbildung uns entgegen. (Fig. 100.) 
Die Madonna ist in einer schönen Landschaft seitwärts sitzend dar- 
gestellt, auf ihrem Schoosse das Kind haltend, welches besonders in 
der hohen lockigen Stirn und dem kurzen Kinn den ausgeprägten 
Kindertypus Correggio's zeigt. In holdem Spiel ergreift der Kleine 
die Rechte der ihm gegenüber befindlichen Katharina, um ihr den 
Verlobungsring anzustecken, wobei die Mutter liebevoll nachhilft. In 
den Köpfen beider Frauen, die mit stillem Ernst in die Handlung 
versenkt sind, waltet eine fast grossartige Anmuth, die noch nichts 
von der niedlichen Zierlichkeit seiner späteren Frauenköpfe kennt. Der 
h. Sebastian schliesst als theilnehmender Zuschauer die Gruppe anmuthig
        

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