Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270869
Musikalische 
Stimmung. 
nicht aber das ganze Volk zu fesseln. Die Musik aber, die im geistigen- 
Leben Italiens damals schon eine bedeutende Rolle spielte, war noch 
auf jenen Vorstufen des Suchens und Ringens, welche den vollen Aus- 
drugk der Empfindung vermissen lassen. Immerhin ist es jedoch 
bezeichnend, dass die Italiener, im Gegensatze zu dem kunstreichen 
contrapunktischen Bau niederländischer Polyphonie, in ihrer nationalen 
Musik eine Richtung auf das Einfache, Durchsichtige festhalten, welche 
namentlich in den mit Vorliebe kultivirten weltlichen Gesängen der 
Frottole (eigentlich „Gassenhauer") sich erkennen lasst. Schon in 
diesen schlichten compoSitiollßfl bemerkt man jenes Streben nach dem 
massvoll Schönen, das den vorherrschenden Charakterzug in allem 
italienischen Schaffen bildet. Indem diese Musikstücke den Versuch 
machen, aus dem complicirten polyphonen Satze zur Einfachheit einer 
sangbaren Melodie, mit deklamatorischem Hervorheben des Rhythmus, 
zu gelangen, spricht sich darin das Hindrängen zur Homophonie aus, 
die dann nachmals bei der Entwicklung der Oper von durchschlagen- 
der Bedeutung werden sollte. Auch darin begegnet uns wieder der 
Zug des Italieners zum Individualismus, denn im Einzelgesang erst 
vermag sich die Persönlichkeit im vollen Glanze ihrer Ausbildung 
zur Geltung zu bringen. Diese Stufe der Entwicklung setzt dann 
freilich eine hohe Ausbildung der Instrumentalmusik, die dem Gesang 
als Begleiterin zu dienen hat, voraus. Und in der That ist schon 
damals der Reichthum des italienischen Orchesters nicht unerheblich; 
schon in den musizirenden Einzelchören, Welche seit Gi0tto's Zeiten 
auf den Gemälden die Darstellung der himmlischen Seligkeit begleiten, 
lässt sich eine gewisse Mannichfaltigkeit der Instrumentation erkennen. 
Bei der Verehrung der Madonna vollends bleibt nie die Musik zurück; 
die Venezianer, Giovanni Bellini vor Allen, lassen musizirende Engel 
an den Stufen des Thrones mindestens zur Laute und Viola ihre 
Gesänge anstimmen; die mannichfachsten Instrumente theilen Luca 
della Robbia und Donatello ihren musizirenden Kindergruppen zu. Schon 
lassen sich Virtuosen auf einzelnen Instrumenten nachweisen, wie jener 
Giovan Maria, den Leo X. mit dem Grafentitel und einer kleinen 
Stadt belohnte, und den wir vielleicht in dem berühmten Violinspieler 
RafaePs zu erkennen haben. Ebenso am römischen Hofe zu derselben 
Zeit der gefeierte Geiger Jacopo Sansecondo, welchen man in RafaePs 
Apoll auf dem Parnass vermuthet. Berühmte Künstler wie Leo 
Battista Alberti und Lionardo zeichneten sich auch als Musiker aus 
und verschmithten nicht, wie man namentlich von letzterem weiss, sich
        

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