Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275053
Correggids Jugend. 
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den frühen Tod des Meisters herbeigeführt habe. Ein anderes Mal 
lässt man ihn ein Wirthshailsschild malen, um damit in seiner Armuth 
die Zeche zu bezahlen. 
Das ganze Gewebe dieser armseligen Legenden zerfällt in Nichts 
durch die urkundliche Feststellung; dass Correggids Vater fortwährend 
in guten Vermögens-Verhältnissen gelebt, und dass der früh zu Ansehen, 
zu lohnenden Aufträgen und zu einer wohlhabenden Frau gekommene 
Künstler ebenfalls in günstiger äusserer Lage sich befunden hat. 
Wichtiger Wäre es für uns, wenn zu diesen urkundlichen Aufklärungen 
über seine Vermögenslage einige Nachrichten über seinen künstlerischen 
Entwicklungsgang sich gesellten. Aber nichts Zuverlässiges ist uns 
in dieser Hinsicht überliefert, ausser der Angabe, dass er bei einem 
Oheim Lorenzo, ivon dem wir übrigens keine Werke kennen, den 
ersten Unterricht in der Kunst erhalten, dann aber wohl zeitig in dem 
benachbarten Modena bei Francesco Bianchi seine Studien fortgesetzt 
habe. Dieser Künstler ist uns durch ein Bild in der Galerie zu Mo- 
dena (I, 454) sowie durch eine thronende Madonna. im Louvre als ein 
Nachfolger Francia's bekannt, der nicht gerade bedeutend, aber doch 
anmiithig und besonders durch feinen, klaren Farbenton sich dem liebens- 
würdigen Bologneser Meister verwandt zeigt. So mag also auf den 
jugendlichen Correggio, der beim Tode seines Meisters 1510 sechzehn- 
jährig war, die weiche Empfindsamkeit und zugleich der milde har- 
monische Farbensinn jener Schule übergegangen sein. Was im Üebrigen 
seine allgemeine Bildung betrifft, so hat der in guten bürgerlichen Ver- 
hältnissen lebende Vater ohne Zweifel ihm diejenige Erziehung geben 
lassen, die damals in solchen Kreisen selbstverständlich war; auch 
fehlte es an dem kleinen Hofe seines Geburtsortes ebensowenig wie 
in Modena und Parma an Männern von höherer Bildung und Gelehr- 
samkeit, durch deren Umgang dem Künstler Anschauungen der klas- 
sischen Welt zu Theil werden konnten. Gleichwohl fehlt es uns an 
allen genaueren Ueberlieferungen, und ebenso haben wir keine Nach- 
richten von seinen weiteren künstlerischen Studien. Wir wissen nur, 
dass er im Jahr 1511 sich wieder in seiner Vaterstadt befand, wohin 
er wahrscheinlich nach dem Tode seines Meisters zurückgekehrt war. 
Da aber in demselben Jahre die Pest in Correggio ausbrach, welche 
viele Einwohner, sowie den Gebieter des Landes zur Auswanderung 
nach Mantua bewog, so scheint auch der junge Künstler sich dort hin- 
gewendet zu haben. Wahrscheinlich aber bedurfte es nicht einmal 
einer solchen Veranlassung, um ihn nach einem Orte zu führen, der 
Lübke, Italien. Malerei. II. 27
        

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