Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1275004
412 
Buch. 
Kapitel. 
Die Sienesen. 
Nachahmung von Reliefs geschmückt ist. Endlich dekorirte er im 
oberen Stockwerk den Eingangssaal, wo er in geistvoller Weise die 
Wände durch doppelte Säulenstellungen theilte, zwischen welchen er 
täuschend gemalte architektonische Prospekte und landschaftliche Ve- 
duten anbrachte: wahrscheinlich das früheste Beispiel solcher auf Illu- 
sion berechneten scheinbaren Erweiterung des Raumes, von welcher 
die folgende Zeit einen oft gar zu ausgiebigen Gebrauch machte. Auch 
der Fries mit Scenen aus der antiken Göttersage, und selbst der 
schmiedende Vulkan über dem Kamin, den man wohl Giulio Romano 
hat zutheilen wollen, sind von seiner Hand. Das Ganze ist ein Werk, 
in welchem eine selbständige Auffassung des klassischen Alterthums im 
Sinne der vollendeten Renaissance sich mit poetischer Wirkung ausspricht. 
Um dieselbe Zeit liess die römische Stadtbehörde durch Peruzzi 
einen Saal im Conservatorenpalaste mit grossen Fresken aus der 
altrömischen Geschichte schmücken. Er stellte den entscheidenden See- 
sieg bei den ägadischen Inseln, den Triumphzug des Lutatius Catulus" 
und das Friedensbündniss zwischen Römern und Karthagern dar; auf 
einem vierten Wandbilde Haunibal vor Rom, dessen Mauern dem 
Sieger Widerstand leisten. Leider sind diese merkwürdigen Beispiele 
profaner Geschichtsmalerei später in roher Weise überarbeitet worden; 
aber trotzdem erkennt man noch in der Mischung antiker und phan- 
tastischer Gestalten den Einiiuss Pinturicchids, zugleich aber auch 
eifrige Studien der römischen Denkmäler. Diese Arbeiten, früher dem 
Sodoma zugeschrieben, hat die Forschung neuerdings mit Recht dem 
Peruzzi zurückgegeben. 
Von den zahlreichen andern Arbeiten des Meisters, die zum Theil 
nicht mehr vorhanden sind, heben wir die malerische Dekoration der 
Cappella Ponzetti in S. M. della Pace vom Jahre 1517 hervor. Am 
Gewölbe malte er in schöner Gliederung drei Reihen von biblischen 
Scenen, mit der Erschaffung der ersten Menschen beginnend und mit 
Christi Geburt schliessend. In der Nische darunter die thronende Ma- 
donna, von der h. Katharina und Brigitta begleitet, von denen die 
letztere den knieenden Stifter, Ferrante Ponzetti, empfiehlt. Hier ist 
durchweg Peruzzi auf der Höhe seines Schaffens und erreicht in der 
Würde der Gestalten, namentlich der huldreich schönen Madonna und 
der königlich edlen Katharina einen malerischen Stil, der die Mitte 
hält zwischen dem klassischen Adel RafaePs und der romantischen 
Weichheit Sodomafs. Der Farbenton spielt in's Silbergraue, während 
die Carnation einen Stich in's Röthliche hat.
        

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