Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274985
410 
Buch. 
III. 
Kapitel. 
Die Sienesen. 
Eine ähnliche Darstellung der heiligen Familie besitzt unter Nr. 189 
die Galerie der Uffizien. 
Unter ähnlich wechselnden Einflüssen entwickelte sich Baldassare 
Peruzzi, einer der edelsten und grössten Baumeister dieser Epoche, als 
Maler allerdings von minder hervorragender Bedeutung, wenngleich 
einem Beccafumi überlegen. Als Sohn eines Webers 1481 in Siena 
geboren, bildete sich sein vielseitiges Talent so früh aus, dass er schon 
mit zwanzig Jahren in der Taufkapelle des Domes selbständig be- 
schäftigt wurde. Während er sich zu einem der bedeutendsten Archi- 
tekten und Dekoratoren der Zeit entwickelte, schloss er sich in der 
Malerei am meisten dem Sodoma an, der mit seiner frischen Kunst 
Siena damals in Aufregung versetzte. Bald darauf begann Pinturicchio 
seine glänzenden Arbeiten in der Libreria, die nicht verfehlen konnten 
einen tiefen Eindruck auf Peruzzi zu machen. So mischten sich in 
seiner malerischen Entwicklung Einflüsse der lombardischen und umbri- 
sehen Schule, die er bald auf einem grösseren Schauplatze zur Geltung 
zu bringen suchte. 
Um 1504 begab sich der dreiundzwanzigjährige Künstler nach 
Rom, wo er vielleicht damals schon an seinem Landsmann Agostino 
Chigi einen Stützpunkt fand. Bald scheint er sich Bahn gebrochen 
zu haben, denn nach Vasarfs Zeugniss schmückte er die Chorapsis von 
S. Onofrio mit einem Cyclus von Fresken, die allerdings stark durch 
Uebermalung gelitten haben. Auf Goldgrund sieht man hier die Krö- 
nung der Madonna, sodann die von einem knieenden Stifter verehrte 
thronende Jungfrau zwischen vier Heiligen, endlich in kleineren Bildern 
die Anbetung der Könige, die Flucht nach Aegypten und den Kinder- 
mord. Es sind durchweg, so weit man noch darüber urtheilen kann, 
anziehende Arbeiten, die am meisten an Pinturicchio erinnern, aber 
auch einzelne durch Sodoma vermittelte lionardeske Züge verrathen. 
Der segnende Gottvater in der ersten Kapelle rechts ist ebenfalls eine 
jetzt allerdings völlig übermalte Arbeit Peruzzfs. Sodann hatte er die 
Entwürfe für die Mosaiken der Unterkirche von Sta. Croce in Geru- 
salemme auszuführen. Hier sind auf Goldgrund in reich verzierten 
Rahmen in der Mitte Gottvater, in den vier Kappen des Kreuzgewölbes 
die Evangelisten und in kleineren Feldern Scenen aus der Legende 
des h. Kreuzes dargestellt. Der Künstler hat hier in geistvolleruWeise 
den strengen Stil altchristlicher Mosaiken aufgenommen und weiter- 
gebildet, und ein Werk von edler Gliederung und prächtiger Gesammt- 
wirkung geschaffen. Voll Geist und Schönheit sind auch die Dekorationen
        

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