Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274978
Beccafumi. 
Domenico 
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zu lernen. Er begann um 1512 mit einigen Facadenmalereien, bei 
welchen er sich im Gebiet der klassischen Mythologie bewandert zeigte. 
Eine Zeitlang hielt er sich dann mit Sodoma und Pacchia Wetteifernd 
auf einer achtungswerthen Höhe. Aus dieser Epoche stammt ein treff- 
liches Bild in der Akademie, welches die Madonna auf Wolken schwe- 
bend und von mehreren Heiligen verehrt darstellt. Seine edelste 
Schöpfung sind aber die im Wetteifer mit Sodoma ausgeführten Ar- 
beiten im oberen Oratorium von S. Bernardino. Er malte hier die 
Vermählung und den Tod der Madonna, edel empfunden, namentlich 
auf dem letzteren Fresko die heilige Jimgfrau von ergreifender Innig- 
keit; und doch kündigt sich schon ein Zug conventioneller Allgemein- 
heit der Formen an und auch die Farbe hat etwas Schillerndes, Un- 
ruhiges. Recht schön dagegen ist das Altarbild der thronenden Madonna 
mit Heiligen. 
In der späteren Zeit verfällt der Künstler unaufhaltsam dem 
Manierismus der römischen Schule und gesellt sich zu den Nachahmern 
Michelangelds. So bei dem Christus in der Vorhölle, ehemals in 
S. Francesco, jetzt in der Akademie, wo das Zurschaustellen virtuosen- 
haft aufgefasster schöner Acte in den nackten Figuren der Patriarchen 
unerfreulich wirkt, und auch die Farbe etwas Verblasenes hat. Das- 
selbe gilt von den Fresken der Sala del Consistorio im Pal. Pubblico, 
von 1529 bis 1535 gemalt. Es- sind Gestalten und Scenen aus der 
römischen und griechischen Geschichte, unleugbar von grosser Ge- 
wandtheit und gediegener Durchführung, aber ebenfalls in dem conventio- 
nellen Stile der römischen Schule behandelt, und dabei recht {lau im_ 
Ausdruck und der Farbenwirkung. Endlich war Beccafumi auch für 
die musivische Marmordekoration des Fussbodens im Dom beschäftigt, 
wo er seit 1517 unter der Kuppel und im Chor biblische Geschichten 
ausführen liess, für welche er eine neue technische Behandlung erfand. 
Anstatt der buntfarbigen Arbeit der früheren Zeit liess er jene ein- 
fachere, stilvolle, an das Sgrafiito erinnernde Dekoration eintreten, 
welche aus weissen, grauen rmd schwarzen Marmorstücken besteht. 
Die Kartons zu diesen Werken sieht man in der Akademie. Nachdem 
Pacchia gestorben war und Sodoma sich durch seinen Leichtsinn un- 
möglich gemacht hatte, blieb Beccafumi bis an seinen Tod 1551 der 
angesehenste Maler in Siena. Doch verfiel er in der letzten Zeit seines 
Lebens der seelenlosen Schablone der römischen Schule. Ein Rundbild 
der Madonna mit dem Kinde im Museum zu Berlin ist unerfreulieh 
manierirt in Zeichnung und Ausdruck und verblasen in der Farbe.
        

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