Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274958
späteste Werke. 
Sodomaßs 
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stellend, Arbeiten von minderer Bedeutung. Dagegen sind einige Strassen- 
fresken, die Geburt Christi an der Porta di S. Viene und eine Madonna 
der Schusterzunft an Piazza Tolomei trotz starker Zerstörung voll 
Schönheit. Mehrere Fresken, für die Compagnia di Sta. Croce gemalt, 
sind im Kloster St. Eugenio und in der Akademie erhalten, darunter 
namentlich Christus zu Gethsemane betend und Christus in der Vorhölle, 
wo besonders die Eva sehr lieblich ist. 
In der Galerie zu Turin (Nr. öö) sieht man eine Madonna mit 
"dem Kinde zwischen Hieronymus, Johannes, Lucia und Katharina, ein 
treffliches frühes Bild von liebevoller Durchführung und tiefem kräf- 
tigem Farbenton, besonders der schreibende Johannes eine seiner reinsten 
Gestalten. Recht schön ist ebendort (Nr. 50) eine kleinere h. Familie, 
in welcher die Madonna durch schlichtes zutrauliches offenes Wesen 
anzieht, das Kind aber im Ausdruck des Lächelns wenig gelungen ist. 
Auch dieses Bild zeigt die sorgfältige Ausführung und das kraftvolle 
Kolorit seiner früheren Zeit. Endlich sieht man dort unter Nr. 376 
eine Lucretia, die durch Feinheit der Modellirung und weichen Farben- 
schmelz sich als ein Werk seiner römischen Zeit zu erkennen giebt; 
vielleicht jenes Bild, das ihm von Leo X. die Ritterwürde eintrug. Zu 
seinen späteren Werken dagegen gehört die 1538 gemalte Anbetung 
der Könige in St. Agostino zu Siena, allerdings von überfüllter An- 
ordnung, aber in Einzelheiten wie der holdseligen Madonna und dem 
jugendlichen König wieder voll Schönheit, im Farbenton auffallend 
dunkel und tief. Im Museum zu Neapel sieht man eine Auferstehung 
Christi vom Jahre 1535, sorgfältig ausgeführt und innig empfunden, 
besonders schön die auf dem Grabe sitzenden Engel, Christus aber zu 
schwer und hart, das Kolorit auffallend kühl und dunkel, die Compo- 
sition ohne Feierlichkeit.  
Kündigt sich in diesen Werken unverkennbar das Nachlassen der 
künstlerischen Kraft an, so lässt sich ein solches für die letzten Jahre 
des Meisters überhaupt nicht ableugnen. Als er 1537 den Auftrag 
erhielt, die Rathhauskapelle am Markt zu Siena mit einem Freskobild 
zu schmücken, welches die Stadtheiligen unter dem Schutz der Madonna 
darstellt und jetzt völlig ruinirt ist, liess der leichtsinnige Künstler sich 
durch einen Ruf des Fürsten von Piombino an dessen Hof verlocken, 
wo er glänzend aufgenommen und mit Aufträgen erfreut wurde. Be- 
sonders glücklich war er durch das Geschenk einer Anzahl verschiedener 
Thiere von der Insel Elba, die ihm vielen Spass machten. Vergeblich 
mahnte der Rath von Siena wiederholt Wegen des unvollendeten Bildes;
        

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