Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274927
406 
Buch. 
Kapitel. 
Die Sienesen. 
gefühl des Paradieses scheint die blassen Züge und die edleGestalt 
zu durchrieseln. Das bleiche wunderbar zarte, duftig verschmolzene 
Kolorit dient diesen Empfindungen zum treuen Ausdruck. Auf der 
Rückseite ist die auf Wolken schwebende Madonna dargestellt. 
Auf diese Arbeiten folgen die Fresken der Katharinen-Kapelle in 
S. Domenico zu Siena, wo Scenen aus dem Leben der Heiligen dar- 
zustellen waren. Das schönste ist hier die Entzückung und Ohnmacht 
der von zwei Klosterschwestern unterstützten Heiligen, tief und seelen- 
voll, dabei trefflich in der Composition und der Linienführung. (Fig. 96.) 
Ein reich dekorirter Pilaster und eine schöne Landschaft verleihen dem 
Bilde noch mehr Reiz. Weniger bedeutend sind die übrigen Bilder, 
ungleich in der Erfindung und Ausführung, zu weichlich in den Formen, 
zu gedrängt in der Anordnung und doch nicht ohne einzelne köstliche 
Züge, wie denn namentlich die kleinen Engel liebenswürdig naiv sind. 
Auch in dem unteren Oratorium St. Caterina malte er eine schöne 
Engelgruppe. Vor Allem aber gehören zu den besten Werken dieser 
mittleren Zeit die seit 1529 ausgeführten Fresken im Palazzo pub- 
blico. Er hatte hier nur Einzelgestalten der Stadtheiligen Ansano, 
Vittorio und Bernardo zu malen, die er in prachtvoll dekorirte Nischen 
stellte und mit spielenden Genien umgab. Hier ist er wieder auf der 
Höhe seiner Schöpferkraft und giebt Figuren voll Adel, in schwung- 
voller Bewegung und in herrlicher Freiheit malerischer Behandlung. 
Namentlich der h. Victor (Fig. 97) gehört zu den edelsten Inspirationen 
dieser Zeit. Eine Madonna ebendort in der Kapelle als Altarbild auf- 
gestellt mit den Heil. Joseph und Calixtus ist vielleicht sein schönstes 
Andachtsbild. Die Madonna mütterlich innig, das Kind reizend lebendig, 
wie es zum h. Calixtus hinüber schreitet, die Färbung von tiefer Gluth 
bei kraftvollen Schattenmassen, die durch ein warmes Helldunkel ge- 
mildert werden. Die Auferstehung Christi in der Stanza del Gonfa- 
loniere ist wenigstens in einzelnen Gestalten vortrefflich. "Zu seinen 
schönsten Werken gehören sodann die Fresken in einer Kapelle von 
S. Spirito, wo er mehrere Gestalten von Heiligen, besonders herrlich 
Hieronymus und Sebastian, darüber die Einkleidung eines Bischofs 
durch die Madonna, mit schönen knieenden Engeln, oben über der 
Nische St. Jacob zu Pferde, als Sieger über die Sarazenen, malte; 
alles das voll Ausdruck und Schönheit. 
Vom Jahre 1527 sieht man in der Laienbrüderschaft voxi S. Gio- 
vanni und S. Gennaro zu Siena, mehrere als Sargdekorationen gemalte 
Tafeln, zwei Madonnen, einen todten Christus, und ein Cruzifix dar-
        

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